Schon gewusst: Madeira wurde auf hoher See erfunden

Ulrich Sautter, Aakriti Dhawan, 18.10.2023

Gewachsen im Osten des Bordelais, gereift auf einem Segelschiff.

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Schon Plinius der Ältere (24–79 n. Chr.) beschrieb in seiner Naturalis Historia, dass auf einem Schiff transportierter Wein schneller und komplexer reife. Im 17. Jahrhundert wurde die holländische Ostindien-Flotte zur Geburtsstätte eines neuen Weintyps: Die Schiffe luden auf der Hinfahrt nach Indien entweder in Lissabon kretische Süßweine, oder sie machten auf der Insel Madeira fest, um dortigen Wein zu laden, ihn um die halbe Welt und wieder zurück in die heimischen Häfen zu transportieren – mit dem Ziel der Qualitätsverbesserung. Auf diesem Weg blieben die Weine etwa ein halbes Jahr an Bord. Die Oxidation der Weine unter dem Einfluss der Hitze in den südlichen Breiten wurde zur Blaupause für den Madeira, wie wir ihn heute kennen – und gab Anlass zur Entwicklung des »Estufagem«-Verfahrens: Denn die Madeira-Erzeuger entdeckten bald, dass man praktisch denselben Effekt wie auf See erzielen konnte, wenn man die Weine zu Hause längere Zeit auf warmen Speichern oder direkt unter der Sonne großer Hitze aussetzte. Heute kommen für einfachere Madeira-Qualitäten sogar beheizte Tanks zum Einsatz.

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