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Arty Weekend in Montreal

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Friedliebend und freundlich öffnet sich Kanada seinen Gästen. Besonders vielfältig schillert es im frankophonen Montreal. Hier liebt man Festivals und Street Art und bietet viel Raum für junge Kunst. Ein Wochenende in der Stadt der offenen Türen.

Hi there und salut! Die berühmte kanadische Freundlichkeit kommt einem in Québec gleich doppelt ent­gegen. In Montreal, der zweitgrößten Stadt Kanadas, kommen sogar noch mehr Sprachen dazu, schließlich wohnen hier Menschen aus 120 Nationen. Dieser vielstimmige Bienenstock von Großstadt erzeugt eine positive Energie, die sich in Kunst und Kultur überall widerspiegelt. In den großen Museen, in den kleinen Galerien in Stadtvierteln wie Mile End oder dem Kultur-Hotspot Quartier des Spectacles, und in den Art Spaces in ehemaligen Fabriken wie der Darling Foundry, dem Montreal Art Centre mit seinen 65 Ateliers oder dem Belgo Building, einem der größten Galerien-Konglomerate Kanadas.

Doch auch im Straßenbild ist die Kunst allgegenwärtig. Die Stadtverwaltung verfolgt seit vielen Jahren ein ambitioniertes Programm für Kunst im öffentlichen Raum. Dabei spielt auch Street Art eine Hauptrolle. Das MURAL-Festival im Juni am Boulevard Saint-Laurent und das Hip-Hop- und Graffiti-Festival »Under Pressure« im August sind die beste Gelegenheit, diese
kreative Energie live zu erleben. Wer sich lieber konzentriert in Innenräumen aufhält, dem sei das Artexte empfohlen, eine Kombination aus Galerie und Bibliothek, in dem kein Underground-Kunstmagazin fehlt. Alors, bon weekend!

Freitag

Es ist zwar nicht ganz so alt wie Kanada selbst, aber eine gute Annäherung: Das 1860 gegründete Montreal Museum of Fine Arts (MMFA) ist das größte Museum der Stadt und eines der meistbesuchten des Landes, wahrlich eine nationale Institution. Heute umfasst die Sammlung fast 50.000 Werke aus dem Kulturerbe Kanadas, darunter selbstverständlich auch solche der First Nations. Unter der Leitung von Stéphane Aquin entwickelt sich das MMFA in Richtung Inklusion und vielfältige Kunstvermittlung und erschließt auch digitale Welten.

Tradition und Empowerment

In diesen bewegt sich das PHI Centre schon von Beginn an, denn die Auslotung der Schnittmengen von Kunst und Technologie war die Motivation von Gründerin Phoebe Greenberg: »Ich wollte einen Raum schaffen, in dem neue Technologien und Bildende Kunst sich gegenseitig befruchten und neu erfinden.« Im Jahr 2029 wird die nächste Stufe dieser hybriden Rakete gezündet, wenn das bisher auf drei Standorte verteilte PHI sein neues, größeres Zuhause bezieht. Beeindruckend ist es jetzt schon.

Eine längere und ungewöhnliche Geschichte hat das La Guilde hinter sich. Gegründet 1906 von Alice Peck und Martha Phillips als durchaus feministisch gemeintes Kompetenzzentrum für Handarbeit und Kunsthandwerk, wechselte die Institution im 20. Jahrhundert zwar mehrmals den Namen, aber nicht ihr Selbstverständnis aus Wiederentdeckung, Weiterentwicklung, Empowerment und Tatkräftigkeit. Heute ist die Gilde zudem einer der wichtigsten Orte Kanadas, in dem die Kunst der Inuit gezeigt wird.

MMFA – Montreal Museum of Fine Arts
Marie-Claire Blais, bis 4. 1. 2026

PHI
Josèfa Ntjam, bis 11. 1. 2026

La Guilde
Masko Iskwewok, bis 20. 11. 2025

Digitales Heimkino
Das PHI Centre macht die weiten Welten zwischen Kunst und Technologie erlebbar.

Foto beigestellt

Nordische Gestirne
Muster in der Ausstellung »Masko Iskwewok« im La Guilde, die Werke von Inuit-Künstlerinnen präsentiert.

© Meky Ottawa Encadreee

Segel gesetzt
Die raumgreifende Installation von Marie-Claire Blaise im MMFA.

© Denis Farley

Boden in Bewegung
»Moving Dunes« von Gil Hardy and Charles Laurence Proulx ziert seit 2018 den Platz vor dem MMFA.

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Stattliche Schatztruhe
Das 1860 gegründete MMFA ist eines der meistbesuchten Museen Kanadas.

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Samstag

Die wichtige Rolle, die Kunst und Kultur für das Selbstverständnis Montreals spielen, ist auf den Plätzen und Straßen spürbar. Das Quartier des Spectacles und der Place des Arts, der größte Kulturkomplex Kanadas, markieren das lebendige Zentrum der Stadt und bieten mehrere Bühnen für Festivals. Auch das Musée d’Art Contemporain (MAC) hat hier seine prominente Adresse. Seit über 50 Jahren sammelt das Haus kanadische und internationale moderne Kunst und ist somit unverzichtbarer Bestandteil jedes Kunst-Trips.

Junge Avantgarde

In vielen nordamerikanischen Städten leisten sich die Kunsthochschulen ihre eigenen Galerien als Begegnungsräume der jungen Avantgarde mit der Öffentlichkeit. Hier tut es die FOFA Gallery an der Kunstfakultät der renommierten Concordia University, und das mit großem Engagement und klarer politischer Haltung. Ausgestellt werden Werke der Studierenden und Lehrenden gleichermaßen, dabei stehen Experiment und Überraschung immer im Vordergrund.

Doch auch die kommerziellen Galerien halten in Montreal das internationale Niveau hoch. Sie alle zu nennen, würde das Wochenende sprengen, doch man liegt sicher nicht falsch, wenn man bei Megan Bradley und Antoine Ertaskiran und ihrer Bradley
Ertaskiran Gallery vorbeischaut. Sie vertreten etablierte Künstler:innen wie Suzy Lake, Erin Shirreff oder Jeremy Shaw, die multidisziplinär und konzeptionell brillieren. Dank der ausgezeichneten Vernetzung mit New York, Chicago und der Westküste hat man bei Bradley Ertaskiran eine Spürnase für neue Namen und Positionen, bleibt dabei aber stolz in der heimischen Community
verwurzelt.

MACM – Musée d’Art Contemporain Montreal
In Praise of the Missing Image, bis 8. 3. 2026

FOFA Gallery (Academy of Fine Arts)
Aaron McIntosh: Hot House, bis 12. 12. 2025

Bradley Ertaskiran Gallery
Alexa Hawksworth: City of Habits, 13. 11. – 20. 12. 2025

Eingang ums Eck
Das MAC hat am Place des Arts die perfekte Adresse für Kunst und Kultur.

Foto beigestellt

Positiv und negativ
»In Praise of the Missing Image« im MAC.

Foto beigestellt

Stör-Elemente
»Comfort and Indifference« ist ab November 2025 im MAC zu sehen.

Foto beigestellt

Ahninnen-Galerie
»Distilling Resistance« von Suzy Lake in der Bradley Ertaskiran Gallery.

Foto beigestellt

Einfache Handreichung
Wandskulptur von Aaron McIntosh in der FOFA Gallery.

Foto beigestellt

Sonntag

Der Name der C.O.A Contemporary Art Gallery scheint unauffällig, fast schon zu offensichtlich. Doch dahinter verbirgt sich ein ungewöhnliches Programm. Die Abkürzung steht für »Créateurs d’Œuvres Atypiques«, das heißt, hier lässt sich die »Outsider Art« von Künstler:innen mit körperlichen und mentalen Herausforderungen entdecken, die spätestens seit dem Museum in Gugging bei Wien global als eigene Kunstströmung Akzeptanz gewonnen hat. Bei C.O.A legt man die Definition des
Ungewöhnlichen jedoch sehr großzügig aus, was für spannende Konfrontationen sorgt.

Bevor wir zum großen Wochenend-Finale kommen, erlauben wir uns noch ein kleines Intermezzo im Randbereich der Kunst. Für alle Liebhaber:innen von Architektur und Design ist das Canadian Centre for Architecture Pflichtprogramm beim Besuch in Montreal. Als einem der ältesten und größten Architekturmuseen Nordamerikas gelingt es dem CCA immer wieder, über die Fachwelt hinaus relevant zu sein. Und als Bonus-Teaser lockt es mit einem stattlichen Skulpturenpark.

Anarchischer Geist

Zum Schluss ein kanadisches Kunst-Schwer­gewicht: Das Belgo Building darf mit Fug und Recht legendär genannt werden. Anfang der 1980er-Jahre mieteten sich die ersten Künstler:innen in der ehemaligen Textilfabrik ein, und ihr anarchischer Improvisationsspirit ist bis heute erhalten. Heute verteilten sich 28 Galerien und Studios über die Etagen, Vernissagen finden meist am Donnerstag und Freitag statt. Um die Übersicht zu be­halten, empfiehlt es sich, den umfassenden Kalender oder den Podcast »Belgo Report« zu konsultieren. Oder man bucht einfach noch ein Wochenende dazu.

C.O.A Gallery
Benoit Blondeau: Lumière architecte, 1. bis 29. 11. 2025

CCA – Canadian Centre for Architecture
Oscillating Spaces, bis 1. 2. 2026

The Belgo Building
Jean-Claude Lussier: Fragments, bis 29. 11. 2025

Täuschend unscheinbar
Hinter diesem Eingang eröffnet sich die endlose Welt des Belgo Building.

Foto beigestellt

Raum-Baustein
Ausstellung von Jean-Claude Lussier in einer der 28 Galerien des Belgo Building.

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Traum-Fragment
Bild aus der Ausstellung von Jean-Claude Lussier.

© Jean-Claude Lussier

Ewiges Eis
»Oscillating Spaces« im Canadian Centre for Architecture.

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Heitere Welten
Ausstellung von Danny Gretscher in der C.O.A Gallery.

© Jean-Michael Seminaro

Farb-Akzente
Danny Gretscher in der C.O.A Gallery.

© Jean-Michael Seminaro

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 8/2025

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Maik Novotny
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