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© David Hiepler

Dichte Packung: Innenstadt mit Zukunft

URBAN LIVING

Europas Städte erfreuen sich weiterhin hoher Attraktivität. Die Bevölkerung wächst und wächst. Das heißt auch: Der Platz wird knapper und kluge Ideen sind gefragter denn je. Eine Übersicht zum urbanen Wohnen zwischen Luxus und Leistbarkeit.   

Die Siedlung Kaulsdorf Nord 1 dürfte auf den Location-Karten der meisten Berliner Immobilien­entwickler:innen weiße Terra incognita sein. Die Plattenbausiedlung aus der DDR im tiefen Osten der Metropole ist alles andere als trendy, von Gentrifizierung ganz zu schweigen. Und doch ist mittendrin eine Wohnimmobilie gelandet, die elegant ist und trotzdem genau hierher passt. Serielle Konstruktion in Beton, raue Optik, das Berlin-Bonmot »arm aber sexy« in Zement gegossen: das Wohnregal der Architekten FAR Frohn & Rojas.

Türme für Tirol

Der Wohnbau »Duett Pradl« von Work Space Architekten ermöglicht leistbares Wohnen in Österreichs teuerster Stadt Innsbruck.

workspace.at

© David Schreyer

Preußisches Arkadien

Die Fellini Residenzen im Zentrum von Berlin von Architekt Marc
Kocher werben mit italienischem Flair und großbürgerlicher Tradition.

kocher-architekten.com

© Kocher Architekten

Luftiges Implantat

Mit dem Wohnbau SULM 11, bei dem sie auch als Bauträger agierten, setzten Zeininger Architekten ein fast pariserisches Stück Nachbarschaft in eine Wiener Baulücke.

sulm11.at

© Kurt Hörbst

Nostalgie und Coolness

Der Wohn-Gegenpol zu diesem coolen Regal steht im Zentrum von Berlin, Top-Lage, Gendarmenmarkt: Die noblen Fellini Residenzen, die die Nostalgie für die Berliner Großstadt des 19. Jahrhunderts mit italienischem Flair (und Namen) verbinden. Zwischen diesen Extremen lässt sich der eindeutige Trend ablesen: Städte wie Berlin wachsen, der Raum wird knapp, Ideen sind gefordert. Das deutsche Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) beziffert den Bedarf bundesweit auf 320.000 Wohnungen,davon jährlich 60.000 in den sieben größten Städten.

Einbau-Möbel

EMI Architekten aus Zürich entwickelten mit ZHWATT einen Prototypen für die Adaptierung von Büroflächen in städtisches Wohnen.

emi-architekten.ch

Foto beigestellt

Manche deutsche Städte importieren daher österreichische Wohnbau-Expertise, so wie die Internationale Bauausstellung IBA 27 in Stuttgart, einer Stadtregion mit enorm hohen Mieten und wenig Baulandreserven. Hier werden Industrieareale umgenutzt, neue Verdichtungen geschaffen, unter anderem von PPAG Architects aus Wien. Reichlich innovative Ansätze finden sich auch in der Schweiz, wo der Ballungsraum zwischen Basel und Zürich zum Siedlungs-Sprawl zusammenwächst. Der Prototyp ZHWATT von EMI Architekten schlägt die Umnutzung von Büros in Wohnen vor, mit temperierten »Inseln« statt auf­wändiger Wärmedämmung.

Stadt-Garten

Der Wohnbau »Rote Emma« in Wien vom Team aus AllesWirdGut und Gerner Gerner Plus Architekten kombiniert große Balkone mit Gewächshäusern auf den Dachterrassen.

gernergernerplus.com

© Gerner Gerner Plus Architekten

Raum-Tetris

Ein genossenschaftliches Stadtquartier als lebendige urbane Collage entwickelten PPAG Architects aus Wien für die Internationale
Bauausstellung IBA 27 in Stuttgart.

ppag.at

© IBA’27/Julian Bauer,

Stapeln und schichten

Eine der am schnellsten wachsenden Städte Europas ist Wien, das 2023 die Zwei-Millionen-Marke erreicht hat. Auch hier wird der Platz eng, und diese Not macht erfinderisch. Im Donaufeld, wo Gärtnereien hochverdichteten neuen Quartieren weichen müssen, bewahrt der nach einer Erdäpfelsorte benannte Wohnbau »Rote Emma« die städtische Nahrungsversorgung mit Gewächshäusern auf dem Dach, und im gründerzeitlichen Ottakring füllten Zeininger Architekten eine Baulücke mit einer fast pariserisch wirkenden Interpretation von urbaner Nachbarschaft.

In Wien-Penzing entsteht derzeit das Projekt »MARNOdrei« der Walter Real Estate mit 17 Wohneinheiten; hier setzt man auf eine bezirkstypische Verbindung des gewachsenen Gründerzeit-Rasters mit privaten Freiflächen. »Gerade in der verdichteten Stadt wird der intelligente Umgang mit Raum zur wahren Kür der Architektur«, sagt Projektleiter Benjamin Stanciu. »Es geht heute nicht mehr nur um reine Quadratmeter, sondern darum, durch durchdachte Grundrisse selbst auf kompakten Flächen ein großzügiges Raumgefühl zu erzeugen und mit begrünten Freiflächen die Natur in den urbanen Alltag zu integrieren.« Die Fertigstellung ist für Juli 2026 geplant.

Zement mit Kurvenschwung

Das Wohnregal vom Büro FAR Frohn Rojas im rauen Osten Berlins macht das serielle Wohnen in Beton wieder aufregend.

f-a-r.net

© David Hiepler

Villen in Bewegung

Neben diesen innerstädtischen Schichtungen und Stapelungen tut sich auch auf den Villengrundstücken in den Bezirken Währing und Döbling einiges. »In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Liegenschaften zu Preisen erworben, die heute nicht mehr realisierbar sind – Entwicklungskosten und Einkaufspreise liegen teils deutlich über dem erziel-baren Verkaufspreis«, sagt Richard Buxbaum von Buxbaum Immobilien, die sich auf den Villenmarkt in diesen Bezirken spezialisiert haben. »Dennoch ist der Markt spürbar in Bewegung.« In diesem Fall ein heimischer Markt, rund 70 bis 80 Prozent der Käufer:innen sind aus Österreich. »Diese heimischen Käufer:innen kennen die Mikrolagen – besonders beliebt sind das Gersthofer Cottage und die Döblinger Prime-Lagen«, so Buxbaum. Man sieht: Das urbane Leben hat viele Gesichter – und viele Potenziale.


Erschienen in
Falstaff Residences 01/2026

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Maik Novotny
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