Kohle, Gas oder Strom: Ready für die Grillsaison
Zwischen archaischer Holzkohle-Romantik, smarten Hightech-Geräten und stilvoller Outdoor-Küche – jede Grillart hat ihre eigenen Vorzüge. Welche Modelle derzeit besonders gefragt sind, worauf man beim Kauf achten sollte und warum selbst Profi-Griller bei Blindverkostungen manchmal danebenliegen.
Ein sonniger Sommertag, ein paar gute Drinks, der Geruch von Grillgut – für viele Menschen ist Grillen nicht nur ein Teil lauer Sommerabende, es ist auch ein Ausdruck von unbeschwertem Genuss und Lebensfreude. Doch nicht nur bei der Wahl zwischen Würstel, Steak und Gemüse scheiden sich die Geister. Auch welcher Griller der richtige ist, kann für so manchen zu einer echten Glaubensfrage werden.
Welcher Griller ist der Richtige?
Für Puristen gehört Holzkohle noch immer zum echten Grillgefühl dazu – vor allem emotional. Das bestätigt auch Adi Bittermann. Er betreibt nicht nur das Restaurant »Genuss Wirtshaus & Vinothek Bittermann« im niederösterreichischen Göttlesbrunn – der Koch ist auch dreifacher Grillweltmeister und hält Grillkurse ab: »In der Jugend hat der Papa den Holzkohlengrill angezündet mit Spiritus oder Brandbeschleuniger. Der Grill war glühend heiß, das Fleisch außen verkohlt und innen noch roh. Und genau dieser intensive Geschmack hat sich bei vielen bis heute eingebrannt.«
Tatsächlich sind die Unterschiede zwischen den Grillarten heute jedoch deutlich kleiner, als viele glauben. Bei Blindverkostungen würden selbst erfahrene Griller Gas- und Elektrogrill oft kaum auseinanderhalten, so Bittermann. »Beim Gasgrill ist das Steak saftiger. Holzkohle wiederum liefert durch die enorme Hitze oft kräftigere Röstaromen und mehr Karamellisierung.« Der typische »Flavour« entsteht, wenn Fleischsaft oder Fett in die Glut tropfen und dabei Rauch entsteht: »Bei kurz gebratenen Sachen und der gleichen Temperatur merkt man keinen Unterschied. Erst bei langen Garzeiten entwickelt Holzkohle tatsächlich ein anderes Aroma.«
Passend zum Lebensstil
Welche Grillart die richtige ist, hängt stark vom Lebensstil und der vorhandenen Freifläche ab. »Man muss sich Gedanken machen: Wie oft grille ich, für wen grille ich und wie will ich meinen Grill einsetzen? Wer häufig Gäste einlädt oder Terrasse und Garten stärker als Outdoor-Küche nutzt, hat andere Anforderungen als Gelegenheitsgriller«, sagt Bittermann. Wichtig sei vor allem eine gleichmäßige Hitzeverteilung: »Es ist immer wichtig, dass ich einen Grill habe, der von vorn bis hinten gleich heiß ist.« Gerade bei günstigeren Geräten gebe es oft große Temperaturunterschiede.
Vor allem im urbanen Raum gewinnt der Elektrogrill an Bedeutung. Denn: Auf kleinen Balkonen oder innerstädtischen Terrassen ist Holzkohle oft ohnehin problematisch und zum Teil auch verboten. Dass hochwertige Elektrogriller renommierter Hersteller durchaus mit den Großen mithalten können, bestätigt der Grillprofi: »Moderne Geräte bringen selbst mit normalem Stromanschluss super Leistungen.«
Black Beauty
Grillen, Smoken, Backen – der Keramikgriller »Icon« von Monolith ist ein wahres Design-highlight auf Balkon oder Terrasse.
© Monolith GrillVom Pizzaofen bis zum Smoker
Gleichzeitig entwickelt sich der Grill immer stärker zur vollwertigen Outdoor-Küche. Besonders gefragt seien derzeit hochwertige Gasgrills mit Drehspieß, Hochleistungsbrennern oder Pizzaeinsatz, sagt Bittermann. »Gasgrills, auf denen man auch Pizza machen kann, sind derzeit sehr beliebt«, berichtet der Profi. Auch Smoken und Räuchern – zum Beispiel mit Zedernholzbrettern – liegen klar im Trend. Gerade Fisch und Käse entwickeln mit diesen Methoden spannende Raucharomen.
Parallel dazu erleben Keramikgrills einen regelrechten Höhenflug, weiß Adi Bittermann: »Sie speichern Hitze besonders lange und sorgen für noch mehr Saftigkeit bei großen Fleischstücken. Durch die Keramik lässt sich außerdem besonders konstant und aromaschonend grillen und smoken.«
Gas-Power
Der Napoleon »Prestige PRO 825« setzt auf zwei Grillhauben, Power-Seitenbrenner und eine Edelstahlkonstruktion.
Foto beigestelltSmarte Griller auf dem Vormarsch
Ein weiterer Trend sind smarte Grills, die einen Teil der Arbeit bereits selbst übernehmen. Besonders Pelletsgrills werden immer beliebter: »Geräte, die sehr viel selbstständig steuern und über mein Smartphone geregelt werden können.« Die neue Grillgeneration setzt zunehmend auf Komfort, präzise Temperaturkontrolle und vielseitige Einsatzmöglichkeiten – vom langsamen Smoken bis zum klassischen Steak. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen klassischem Grillen und vollwertiger Outdoor-Küche mehr und mehr.
Von Holzkohle über Gas bis Elektro – klar ist: Längst zählen nicht mehr nur technische Leistung und Grillgut, sondern auch Design, Vielseitigkeit und Komfort. Und noch eines zeigt sich dabei ganz deutlich: Grillen ist längst weit mehr als reine Essenszubereitung. Es ist ein sommerliches Lebensgefühl, auf das immer weniger Menschen verzichten möchten.