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Trend-Wände: Von Murals und Tapeten

Nicht nur Tapeten, auch Murals haben ihren Weg zurück auf unsere Wände gefunden: Die Kunstform überzeugt mit Facettenreichtum, modern interpretierten klassischen Motiven – und verleiht Räumen das gewisse »je-ne-sais-quoi«.

26.03.2024 - By Christina Horn

Titelbild: Hollywood-Walls Aktrice und Sängerin Melora Hardin erschafft mit ihren Collage-Wallpapers facettenreiche Welten aus Diamantenstaub, Fotografie und mehr. melora.com

Man kennt sie aus Höhlen und Kirchen, Palazzi und Apartments. Sie stammen von namenlosen Vorfahren oder von ganz großen Namen wie Michelangelo, Diego Rivera, Keith Haring und Banksy. Sie stellen Landschaften und Allegorien, himmlische Sphären und politische Themen dar. Und: Sie reichen über den Rand üblicher -Leinwände weit hinaus. Die Rede ist von Wandmalereien. Sie zählen zu den ältesten Kunstformen der Menschheit – und erleben seit einigen Monaten, gemeinsam mit den Tapeten, wieder ein echtes Revival.

Von Hand zu Wand

Noch bis vor Kurzem fristeten Murals ihr Dasein im Schatten von Wandfarben und Tapeten – das ändert sich nun. Kunstschaffende wie Roberto Ruspoli, Marie Hartig, Meg Boscawen oder Jacques Merle bringen ihren eigenen Stil an die Wände schicker Eigenheime, luxuriöser Hotels oder It-Restaurants. Wer sich etwa im »Rosewood Vienna« in den »Salon Aurelie« begibt, wird dort von Marie Hartigs urbanem Dschungel empfangen: Die österreichische Muralistin zog das Palmenhaus, eine der bekanntesten Institutionen Wiens, als Inspirationsquelle heran. So findet man sich in dem 70 Quadrat-meter großen Raum umringt von tropischen Pflanzen aus aller Welt. Weiter südlich, auf Capri, hat der italienische Maler Roberto Ruspoli seine Kunstfertigkeit im »Hotel La Palma« bewiesen. Seine Fresken, die schon im »Soho House Paris« oder im Restaurant »Bambini« für Aufsehen sorgten, stellen antik anmutende, abstrahierte Personen, umrissen mit klaren Linien, dar. Auch Interior-Designer:innen geben der Wandmalerei nun wieder Raum. Neben Francis Sultana oder Fabrizio Casiraghi, beide Auftraggeber Roberto Ruspolis, haben etwa Martin Brudnizki oder Kelly Wearstler ihre Vorliebe für Wandgestaltung entdeckt. So veranlasste der Stockholmer Innenarchitekt Brudnizki für das erst kürzlich eröffnete »Le Grand Mazarin« in Paris die Kreation zweier einzigartiger Designmomente: zum einen des verträumten Trompe-l’œil-Freskos von Sophia Pega im Wintergarten des Hotels, zum anderen eines über dem Pool prangenden farbenfrohen Deckenfreskos rund um die Figur des Narziss, kreiert von Jacques Merle. Designstar Kelly Wearstler tat sich bereits 2020 mit Künstler Abel Macias zusammen, um für das »Proper Hotel« in ­L.A. ein farbenfrohes Mural zu kreieren.

Antike, modern gedacht: Für seine minimalistischen Fresken im »Hotel La Palma«, Capri, ließ sich Muralist Roberto Ruspoli von klassischen römischen Figuren inspirieren. oetkercollection.com

»Salon Aurelie«: Für den glamourösen »Salon -Aurelie« im »Rosewood Vienna« ließ sich die Muralistin vom ikonischen Wiener Palmenhaus inspirieren. nobilis.fr/de

Kunst im Alltag

Muralist:innen wie Marie Hartig beziehen ihre Inspiration von alten Meistern und zeitgenössischen Künstler:innen ebenso wie vom Lokalkolorit oder von der persönlichen Geschichte des Ortes und der Auftraggeber:innen. Im Zentrum jedes Wandgemäldes steht immer die Individualität: Das Alltagskunstwerk ist ein Unikat, das eine einzigartige Verbindung mit dem Raum eingeht und dabei räumliche Gegebenheiten wie Grundriss oder Lichteinfall ins Design integriert. Ein einheitlicher Trend lässt sich so daher gar nicht benennen, detailverliebte Landschaftsdarstellungen finden sich ebenso wie abstrahierte, lineare Sujets, die an Keith Haring denken lassen.

Tapeten als Alternative zu Murals

Eine kostengünstigere, wenn auch weniger individuelle Alternative zu den Murals stellen Wallpapers dar. Nach einem Jahrzehnt des Minimalismus und der prominenten Verwendung von Farbe erfreuen sie sich seit 2010 wieder großer Beliebtheit, bestätigt Norman Halard. Er ist Geschäftsführer des Pariser Traditionsunternehmens NOBILIS, für welches Künstlerin Marie Hartig eine eigene handbemalte Wallpaper-Kollektion gestaltete. »Der Trend zur Tapete wurde durch den Aufstieg des digitalen Drucks unterstützt, der die Grenzen der Kreativität erweiterte und es ermöglichte, jede Wiederholungsgröße oder Farbbegrenzung loszuwerden«, weiß der Brancheninsider. Tapeten sind heute nicht nur günstiger denn je, sie bestechen zugleich mit Qualität und Vielfalt. Glatte oder strukturierte Stoff-, Vinyltapeten- oder Spachteloberflächen ermöglichen leuchtendere Farben, metallische Effekte und Detailreichtum. »Ob gewebt, digital gedruckt oder geprägt, es gibt keine Begrenzung der Techniken oder Materialien, um hochwertige, langlebige Wallcoverings zu schaffen.« So überraschte Calico bei der Milan Design Week 2023 mit einzigartigen Panoramawänden aus metallisch gewebtem Grasstoff. Ähnliches kreiert auch Schau-spielerin und Künstlerin Melora Hardin: Ihre Collagen-Wallpapers für Feature-Walls vereinen Fotografie, Diamantenstaub und Edelmetalle. Und auf der Maison&Objet 2023/24 präsentierten die Hersteller facettenreiche Wallpapers, allen voran großflächige florale Prints.

Die Wand als Blickpunkt

Murals und hochwertige Wallpapers eröffnen spannende, individuelle Gestaltungsmöglichkeiten – und lassen sich mit den derzeitigen Interior-Trends wie dem Maximalismus gekonnt kombinieren. Und wer weiß? Vielleicht findet das Wandgemälde im eigenen Wohnzimmer ja in weit entfernter Zukunft seinen Platz im Kunstgeschichtewälzer direkt neben Haring und Raphael.

Tropenraum: Die Panoramatapete »Morgan« von Tecnografica verwandelt den Wohnraum in eine tropische Landschaft. tecnografica.net

Erschienen in:

Falstaff LIVING 02/2024

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