Was macht eigentlich Miki Martinek?
Für Miki Martinek entfaltet sich Design weniger in der Gestaltung als in Dialogen – zwischen Mensch und Material, zwischen Alltag und Poesie. Und das vermittelt sie leidenschaftlich.
Miki Martinek zählt zu den Konstanten der österreichischen Designszene – eine Pionierin mit unverwechselbarem Stil und unbeirrbarer Haltung. Seit den 1980er-Jahren geht sie ihren Weg, leise, aber prägend. »Design ist für mich Poesie im Alltag«, sagt die Innenarchitektin und Möbeldesignerin, die früh erkannte: Gestaltung ist mehr als Ästhetik. Sie ist Dialog – zwischen Mensch und Material, Umwelt und Sinn.
Die Alchemistin
Ende der 1980er-Jahre absolvierte Martinek die Universität für angewandte Kunst in Wien, seit 1990 arbeitet sie selbstständig. Zunächst als Innenarchitektin, bald auch
als Möbeldesignerin und schließlich als Designmediatorin. Unter dem Label design.mikimartinek entstehen kleine, feine Serien, die Schlichtheit und Klarheit mit Funktion verbinden. »Ich wurde von meiner Mutter, einer Mathematikerin, sehr funktional erzogen. Ich kann gar nicht anders, als funktionale Dinge zu entwerfen.« Als faszinierend am Designprozess beschreibt sie, wenn Sinn, Form, Proportion, Material und Gestalt Schritt für Schritt langsam zu einem lebendigen Ganzen verschmelzen. »Es ist jedes Mal wie Alchemie. Und meine Rolle als Designerin bedeutet in gewisser Weise, Alchemistin zu sein.« Martinek erzählt auch, wo sie ihre Inspiration dafür hernimmt: »Ich habe gelernt, meiner Kreativität zu vertrauen. Das Einzige, was ich zum ›Schöpfen‹ manchmal brauche, ist Entspannung und innere Ruhe. Die finde ich in der Natur und in meinem Alltag.«
Beständigkeit braucht Wurzeln
Als besonders prägend für Martineks Arbeiten und Denken hat sich die japanische Kultur herausgestellt. Besonders ihre Furoshiki-Projekte erlangten viel Aufmerksamkeit. Das traditionelle quadratische Tuch wird gerne als Sinnbild für einen nachhaltigen Lebensstil interpretiert: »Es ersetzt Sackerl aus Plastik und Geschenkpapierorgien zu Weihnachten und steht für Respekt und Wertschätzung.« Exemplarisch zeigt sich darin der Anspruch der Kreativen: Design soll gesellschaftlichen Mehrwert schaffen, denn: »Design vermittelt Beziehungen – zum Objekt, zur Umwelt, vor allem aber zum Menschen.« Ein Credo, das sie seit den 1990er-Jahren auch als Uni-Assistenzprofessorin weitergibt. »Die Vermittlung von Design ist mir sehr wichtig«, erklärt Martinek, »dabei geht es immer um Menschen und auch darum, einen Überblick über die vielfältigen Designzugänge anzubieten.«
In einer Zeit, in der sich Design permanent neu erfindet, zeigt Martinek, dass Beständigkeit aus Verwurzelung entsteht. Ihr Werk steht dabei für eine empathische, nachhaltige Designphilosophie, die über den Gegenstand hinausweist und den Menschen ins Zentrum stellt. Denn: »Ein wirklich gutes Produkt unterstützt Leben.«
2024: Natur Pur. Was hat »Kokedama«, also ein Moosball, auf dem eine Pflanze wächst, mit Design zu tun? Miki Martinek erklärt es regelmäßig in Workshops. designmediation.com
© Patrizia Gapp
2024: Gut gewickelt. Furoshiki ist die nachhaltige und stylishe Art, Geschenke zu verpacken. Das quadratische Tuch trägt man dann als Modeaccessoire. mikimartinek.com
© Rena Leeb