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© Patrizia Gapp

Was macht eigentlich Miki Martinek?

Was macht eigentlich ... Designgeschichte
Design
Interior Design

Für Miki Martinek entfaltet sich Design weniger in der Gestaltung als in Dialogen – zwischen Mensch und Material, zwischen Alltag und Poesie. Und das vermittelt sie leidenschaftlich.

Miki Martinek zählt zu den ­Konstanten der österreichischen Designszene – eine Pionierin mit unverwechselbarem Stil und unbeirrbarer Haltung. Seit den 1980er-Jahren geht sie ihren Weg, leise, aber prägend. »Design ist für mich Poesie im Alltag«, sagt die Innenarchitektin und Möbeldesignerin, die früh erkannte: Gestaltung ist mehr als Ästhetik. Sie ist Dialog – zwischen Mensch und Material, Umwelt und Sinn.

Die Alchemistin

Ende der 1980er-Jahre absolvierte Martinek die Universität für angewandte Kunst in Wien, seit 1990 arbeitet sie selbstständig. Zunächst als Innenarchitektin, bald auch
als Möbeldesignerin und schließlich als ­Designmediatorin. Unter dem Label design.mikimartinek entstehen kleine, feine Serien, die Schlichtheit und Klarheit mit Funktion verbinden. »Ich wurde von meiner Mutter, einer Mathematikerin, sehr funktional erzogen. Ich kann gar nicht anders, als funktionale Dinge zu entwerfen.« Als faszinierend am Designprozess beschreibt sie, wenn Sinn, Form, Proportion, Material und Gestalt Schritt für Schritt langsam zu einem lebendigen Ganzen verschmelzen. »Es ist jedes Mal wie Alchemie. Und meine Rolle als Designerin bedeutet in gewisser Weise, Alchemistin zu sein.« Martinek erzählt auch, wo sie ihre Inspiration dafür hernimmt: »Ich habe gelernt, meiner Kreativität zu vertrauen. Das Einzige, was ich zum ›Schöpfen‹ manchmal brauche, ist Entspannung und innere Ruhe. Die finde ich in der Natur und in meinem Alltag.«

1991: Hochalpin. Das Metatron-Muster des robusten Schranks »MAXN« wurde in Tirol bereits im 16. Jahrhundert verwendet.

© Andreas Semetana

2007: Glasklar. Die Glasobjekte »Blaues Gold« sind extrem feinwandig und mittlerweile wertvolle Sammelstücke.

Foto beigestellt

2014: Abhängen. Mit der »City Hammock« hinterfragt Martinek die Leichtigkeit des Entspanntseins – sie ist nämlich aus Papier.

© Rita Newman

2019: Griffbereit. Die »Horn Handles« sind ­Möbelschmuckstücke aus Horn. Nachhaltig, sinnlich und jedes Stück ein Unikat.

Foto beigestellt

Beständigkeit braucht Wurzeln

Als besonders prägend für Martineks Arbeiten und Denken hat sich die japanische Kultur herausgestellt. Besonders ihre Furoshiki-Projekte erlangten viel Aufmerksamkeit. Das traditionelle quadratische Tuch wird gerne als Sinnbild für einen nachhal­tigen Lebensstil interpretiert: »Es ersetzt Sackerl aus Plastik und Geschenkpapier­orgien zu Weihnachten und steht für Respekt und Wertschätzung.« Exemplarisch zeigt sich darin der Anspruch der Kreativen: Design soll gesellschaftlichen Mehrwert schaffen, denn: »Design vermittelt Beziehungen – zum Objekt, zur Umwelt, vor allem aber zum Menschen.« Ein Credo, das sie seit den 1990er-Jahren auch als Uni-Assistenzprofessorin weitergibt. »Die Vermittlung von Design ist mir sehr wichtig«, erklärt ­Martinek, »dabei geht es immer um Menschen und auch darum, einen Überblick über die vielfältigen Designzugänge anzubieten.«

In einer Zeit, in der sich Design permanent neu erfindet, zeigt Martinek, dass Beständigkeit aus Verwurzelung entsteht. Ihr Werk steht dabei für eine empathische, nachhaltige Designphilosophie, die über den Gegenstand hinausweist und den Menschen ins Zentrum stellt. Denn: »Ein wirklich gutes Produkt unterstützt Leben.«

2020: Mäh. Auf der Übungsmatte »WOOL MOOI« aus Schafwolle sind herabschauender Hund, Katzenbuckel, Kuhrücken und Kobra auf Kuschelkurs.

© Rena Leeb

2023: Rahmenhandlung. Gemeinsam mit Sebastian Hilpold zeigt Martinek mit »We Frame Landscape«, wie schön die Schnittstelle zwischen Design, Kunst und Natur aussieht.

© Patrizia Gapp

2024: Natur Pur. Was hat »Kokedama«, also ein Moosball, auf dem eine Pflanze wächst, mit Design zu tun? Miki Martinek erklärt es regelmäßig in Workshops. ­designmediation.com

© Patrizia Gapp

2024: Gut gewickelt. Furoshiki ist die nachhaltige und stylishe Art, Geschenke zu verpacken. Das quadratische Tuch trägt man dann als Modeaccessoire. mikimartinek.com 

© Rena Leeb

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 8/2025

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Manfred Gram
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