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Er soll ein ziemlicher Windhund gewesen sein, ein Leben wie eine Achterbahn, ein Glücksritter und Spieler, ein lebenshungriger Playboy, der die Nächte gern in Bars verbrachte, so lange, bis ihm der Sonnenaufgang signalisierte, es wäre jetzt an der Zeit, nach Hause zu gehen. Der Name: Graf Camillo Negroni. Damit ist eigentlich schon vieles gesagt. Diesem Lebemann verdanken wir einen Cocktail, der heuer seinen hundertjährigen Geburtstag feiert, der aus keiner Bar zwischen Alaska und Neuseeland wegzudenken ist. Der Negroni, bestehend aus Campari, Gin und Wermut, ist eine der populärsten Alkoholmischungen seit Erfindung des Barhockers. Ein Kultgetränk, »das so viele Varianten kennt«, notiert das Bartender-Magazin »Mixology«, »wie Zahlenkombinationen an den Roulettetischen«. Doch wie ist dieser Gassenhauer der Barwelt entstanden? Im Unterschied zu vielen anderen Cocktail-Klassikern lässt sich der Ursprung im Falle des Negroni tatsächlich einigermaßen nachverfolgen. Bereits lange vor dem Negroni gab es in Italien einen Drink namens Milano Torino, ein simples Gemisch aus Campari und Amaro auf Eis mit einer Zitronenzeste serviert. Vermutlich waren es amerikanische Touristen, die damals den italienischen Barkeepern eine Adaption dieses Drinks abverlangten. Amerikaner trinken gerne Soda, und so kann es sein, dass aus dem Milano Torino der Americano entstanden ist, ein Gemenge aus Campari, Wermut und Soda. Dieser Drink gilt als der eigentliche Urvater des Negroni. Jetzt kommt der lasterhafte Graf Negroni ins Spiel. Er soll es gewesen sein – so will es die Legende –, der eines Nachts in seiner Lieblingsbar, dem »Café Casoni« in Florenz, dem Bartender Fosco Scarselli etwas gelangweilt zuflüsterte, er solle doch einen Americano für Erwachsene machen, denn er sei des brustschwachen Getränks längst überdrüssig und wolle etwas Stärkeres. Schließlich sei das Leben nicht immer nur nett zu ihm, da brauche man schon etwas mehr Alkohol und verdammt noch mal kein Soda.
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