Werbung
Als der 1971 geborene Toni Bauer gerade 15 Jahre alt ist und die Weinbauschule in Krems besucht, ergibt sich die Gelegenheit, im Zuge eines Schüleraustauschs nach Frankreich zu reisen. Der Zufall will es, dass er in Beaune im Burgund die jährliche Weinauktion zugunsten des Hospices de Beaune miterleben kann. Dass feiner Pinot Noir und Chardonnay langlebige Weine ergeben, wenn man sie richtig behandelt, das ist die Lehre, die der angehende Winzer von dort mitnimmt. Nach Abschluss der Schule bietet die landwirtschaftliche Nebenerwerbswirtschaft der Eltern keine Perspektive. Man schreibt das Jahr 1988, der Weinskandal steckt den Leuten in der Region noch in den Gliedern. Doch Toni Bauer hatte sich nun einmal für den Weinbau entschieden und nimmt eine Stelle beim Weingut des Stifts Göttweig an, wo er die nächsten fünf Jahre arbeitet. Einer, der sein Bild von den Möglichkeiten im Weinbau nachhaltig prägen sollte, war der Innovator Gerald Malat aus Palt. Malat hatte bereits früh begonnen, neben der Weißweinproduktion eine moderne Rotweinvinifikation nach französischem Vorbild aufzunehmen und experimentierte erfolgreich mit Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot. 1992 entscheidet sich Bauer, den elterlichen Weinbaubetrieb zu übernehmen. Drei Hektar Rebfläche hat er zur Verfügung. Erzeugt wird noch fast zur Gänze einfacher weißer Schankwein, der direkt an Wirte verkauft wird. Doch ihm ist klar: Das hat keine Zukunft. Der Jungwinzer investiert seine ersten Erlöse umgehend in eine bessere Kellerausstattung, die alten Holzgebinde müssen Edelstahlfässern weichen. Die Rebfläche wird erweitert. Die Folge: Der engagierte Weinmacher musste sich ein neues Publikum für seine Bouteillenweine suchen. Das dauerte einige Zeit, doch diese Entscheidung hat er bis heute nicht bereut. Im Jahr 1994 kreiert Toni Bauer seinen ersten eigenen Rotwein, eine Cuvée aus Zweigelt und Blaufränkisch. Diese neue »Cuvée Wagram« findet bei seinen Kunden auf Anhieb Zuspruch. Davor hatte sich der Jungspund im Burgenland schlau gemacht und in Horitschon einigen Rotweinkönnern über die Schulter geschaut. Und hat die gewonnenen Erkenntnisse aus Weingärten und Keller dann konsequent in Feuersbrunn umgesetzt. Als er dann mit seiner »Wagram Reserve« aus dem Spitzenjahrgang 1997 herauskommt, gibt es etliche »Kenner«, die standhaft bezweifeln, dass die Trauben für diese Bordeaux-Cuvée vom Wagram stammen könnten. Anlässlich der Weinmesse Vievinum 2000 lernt Bauer einen gebürtigen Salzburger und Ex-Sommelier kennen, der sich in den USA als Weinimporteur etabliert hatte. Der ist von den Weinen des jungen Wagramer Winzers so begeistert, dass er in der Folge gleich einen Container ordert. »Das waren 17.000 Flaschen auf einen Schlag. Dass ich damals vielleicht 30.000 Flaschen im Jahr erzeugte, das wusste der Mann noch nicht.«
Werbung