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Wie schwer es ist, derzeit einen gastronomischen Investor zu finden, wissen aktuell einige Spitzenköche ohne Herd. Mario Bernatovic, bis 2013 Küchenchef im »Motto am Fluss«, gelang das Kunststück. Der Haselsteiner-Clan griff tief in die Tasche und baute ihm am Wiener Spittelberg mit Hilfe der BEHF-Architekten ein Lokal, dass es nur so scheppert – was sich mit Sichtküche im Zentrum durchaus wörtlich versteht. Restaurant, Café, Bar – das nach Dr. Adolf Kußmaul, dem Erfinder der fiktiven Figur »Gottlieb Biedermaier«, benannte Lokal will sehr viel gleichzeitig sein. Vielleicht ein wenig zu viel, wenn sogleich »toute Vienne« dabei sein will. Und so wird das angekündigte Repertoire mit drei vom Chef forcierten Themenmenüs erst sukzessive eingeführt. Was schon einmal feststeht: Bernatovic legt gegenüber früher noch ordentlich eins drauf. Aus altem Brot, Ziegenkäse, Tempurateig, Rosinen, Fenchel und Zwiebelpüree bastelt er ein vegetarisches Gericht mit dem Zeug zum Klassiker. Zart rosarote Taube (aus dem Burgenland) und Gänseleber mit Spitzkraut, Tomate und Erdbeere? Funktioniert. Zwei von acht ziemlich aufregenden Gängen des Chefmenüs, bei dem man für einen Hunderter die Verantwortung an die Küche abtritt und nicht erwartet, dank viel Eiweiß und Kohlenhydraten, schon zur Hälfte pappsatt dazusitzen. Und zweimal hintereinander das gleiche Gemüse kommt auch nicht so aufregend. Aber das Dessert aus rohem Fenchel, Kamille, Grapefruit und viel Paprika harrt ohnehin dringend eines Tunings. Für die von Thomas Juranitsch zusammengetragene Weinkarte gilt das Prädikat »unorthodox«. Wo sonst gäbe es etwa glasweise einen Pinot Noir »Georgium« aus Kärnten, der auch noch richtig gut dasteht.
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