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Es grenzt an ein Wunder, dass in der Familie Bläuel seit der Übernahme des Hauses anno 1951 niemand auf die Idee kam, das dereinst angeschaffte Mobiliar zu entsorgen. Das versetzt 63 Jahre danach die Gäste in die Lage, im wahrscheinlich größten Fünfzigerjahre-Salon der Nation zu dinieren und in Erinnerungen an die Wirtschaftswunder-Ära zu schwelgen. Die Küche nahm kürzlich wieder einen deutlichen Dreh in Richtung Gegenwart, als der 26-jährige Sohn des Patrons ins Stammhaus zurückkehrte. Georg Bläuel werkte u. a. bei Hans Haas im »Tantris«, bei Lisl Wagner-Bacher sowie bei Bobby Bräuer im »Petit Tirolia«. Doch der junge Mann tut gut daran, der Linie des Hauses treu zu blieben. Die erinnert am ehesten an eine unprätentiöse französische Landhausküche besten Zuschnitts. Chichi würde auch viel zu sehr von der überaus prachtvollen Aussicht auf Wienerwald und Tullnerfeld ablenken. Es sind schlichte, aber ganz wunderbar abgestimmte Gerichte, die hier auf der Karte stehen: lauwarme Jakobsmuscheln erster Güte mit Eierschwammerltatar – herrlich. Oder saftig gebratener Kaninchenrücken mit Hokkaidokürbis und Saubohnen. Bunte kleine Rübchen geben mit Krenmousse und Salat eine auch optisch wunderschöne vegetarische Köstlichkeit. Aber auch mit Taube geht die Küche zielsicher um – saftige Brust, gebackene Keule, Sellerie in einem fein abgeschmeckten Fleischsafterl. Da hat einer bei den richtigen Leuten gelernt, ohne jegliche Effekthascherei ganz einfach sehr gut zu kochen. Siehe auch ein Topfen-Sauerrahm-Soufflé, ganz selten so zu bekommen und very much »old school«, genauso wie der legendäre Weinkeller mit 23.000 Flaschen, Jahrgangstiefe und vielen Schnäppchen, vor allem aus Bordeaux.
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