Das bezaubernde Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande hat einen Top-Wein im Keller.

Bordeaux: Das Rollercoaster-Jahr 2016

Peter Moser, 07.06.2017

Kurzum: 2016 ist in Bordeaux ein großer Jahrgang, sowohl bei der Qualität wie der Quantität. Die Bedingungen waren geradezu perfekt, um hier echte Klassiker wachsen zu lassen.

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Ein qualitativ erfolgreicher Rotweinjahrgang hängt von fünf Bedingungen ab, lehren die Professoren der Universität Bordeaux: Erstens sollte die Blüte relativ schnell verlaufen und für einen gleichmäßigen Traubenansatz sollte zweitens das Wetter ausreichend warm und trocken sein. Drittens sollte ein trockener, heißer Juli die Reben unter Wasserstress bringen, um das Wachstum des Rebstockes zu verlangsamen und spätestens bis zur Véraison – dem Verfärben der Trauben – zum Stillstand veranlassen. Im August und September sollten dann die Trauben der verschiedenen Rebsorten unter trockenen und warmen Bedingungen voll ausreifen können und fünftens sollte man bei relativ trockenen und angenehm warmen Bedingungen, die Trauben ohne Hast Parzelle für Parzelle ernten. Wenn diese fünf Faktoren passen, so die Lehrkräfte, dann kann man sich auf tolle Weine freuen. In Bordeaux herrschten all diese Bedingungen 2016 vor – dank dem einen oder anderen unerwarteten Wetterphänomen. Das Jahr 2015 verabschiedete sich zunächst trocken und sonnig. Es folgten drei Monate mit überdurchschnittlich kräftigen Niederschlägen von satten 500 Millimetern – der Langzeitschnitt beträgt 230 Millimeter. Zugleich wurden die wärmsten Temperaturen von Jänner bis März gemessen, seit es Aufzeichnungen gibt. Einerseits konnten die Böden ihre Wasserreserven wieder füllen, andererseits führten kühlere Temperaturen im März zu einem um eine Woche verspäteten Austrieb. Wechselhaftes Wetter mit wiederkehrenden kühlen Phasen bis in den späten Mai führte zu einem verlangsamten Wachstum im Weingarten. In den letzten drei Aprilnächten kam es in ungünstigeren Lagen vereinzelt zu Frostschäden. Ende Mai war das Wachstum in den Anlagen mit jenem im Jahr 2014 vergleichbar. Durch die anhaltende Feuchtigkeit war der Druck von Rebkrankheiten (Oidium, Peronospora) erheblich angewachsen, speziell die Bioweinbauern kamen kaum mit der Arbeit nach. Die Rebblüte setzte Ende Mai bei regnerischem Wetter ein.

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