Craft Beer ist in aller Munde: Auch im Kanton Waadt verzücken Kleinbrauer die Gaumen der Biertrinker.

Craft Beer-Revolution im Waadtland

Benjamin Herzog, 02.04.2019

Die Dichte an Kleinbrauereien in der Waadt ist enorm, und jedes Jahr kommen neue dazu. Drei Waadtländer Craft-Beer-Produzenten erlangten mit ihren Produkten gar überregionale Bekanntheit.

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Die Gemeinde Puidoux bei Vevey ist bekannt für den Wein, liegt hier doch der legendäre Lavaux-Cru Dézaley. Doch Puidoux ist flächenmäßig groß, und so findet sich im oberen Teil des Ortes auch ein kleines Industriegebiet, die Heimat der Brasserie Docteur Gab’s. Eine der bekanntesten Craft-Beer-Brauereien der Waadt. Ihre Geschichte begann im Jahr 2001. Damals unternahmen die drei Freunde David, Reto und Gabriel einen Ausflug nach Belgien und waren fasziniert von den dortigen intensiven Bierstilen, die mit dem damals in der Schweiz vorherrschenden, hellen Lagerbier so gar nichts zu tun hatten. Wieder daheim begannen sie im Keller von »Gab’s« Eltern hobbymäßig Bier zu brauen. Heute haben sie rund 25 Angestellte und brauen mittlerweile mehr als 10'000 Hektoliter im Jahr. »Dass die Waadt ein Weinbaugebiet ist, war für uns stets ein Vorteil«, sagt Brauereigründer Reto Engler. »Wein ist von der Idee her näher an unserem Craft Beer als an einem industriell hergestellten Lager.« Die Biere der Brauerei sind zwar von belgischen Bierstilen beeinflusst, dabei aber stets angenehm süffig und irgendwie auch an den Schweizer Geschmack angepasst. Paradebeispiel ist etwa das einem belgischen »Bière blanche« nachempfundene Houleuse. Das relativ leichte Bier bekommt durch die Zugabe von Orangenschalen einen fruchtigen Geschmack und zeigt sich betont frisch am Gaumen. »Trinkbarkeit ist für uns elementar«, erklärt Reto Engler. »Genauso wie Authentizität.« Die ersten Etiketten der Brauerei waren von Hand gezeichnet – »Gab’s« Vater steuerte die Zeichnungen bei, einige zieren bis heute die Etiketten. Die Region und die Herkunft der Grundzutaten sind den Machern von »Docteur Gab’s« sehr wichtig. Für einige Biere verwenden sie heute Gerstenmalz, das im benachbarten Kanton Genf angebaut und verarbeitet wird, und jedes Jahr produzieren sie ein Bier mit Hopfen von einem Bauern aus der Region, und sogar die mit Logo gravierten Mehrwegflaschen werden im Ort Saint-Prex bei Morges hergestellt. Die ganze Produktion mit lokalen Ingredienzen stemmen kann »Docteur Gab’s« allerdings nicht – dafür ist die Brauerei heute schlicht und ergreifend zu groß. Der Bezug zur Heimat manifestiert sich vor allem in einem Bier von »Docteur Gab’s«. Das Saison Barrique wird in Puidoux gebraut und dann bei der Henri Badoux SA in Aigle in Barriquefässern gereift, die zuvor Chasselas enthielten. Die feinfruchtige, blütenhafte Art des Weines ist auch dem Bier eigen.

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