Roland Trettl trifft mit seiner vegetarisch-veganen Menülinie »Peter + Silie« den Nerv seiner Zeit.

Der Anti-Bekehrer: Spitzenkoch Roland Trettl

Alexandra Gorsche, 09.01.2017

Er macht sein Ding losgelöst von jeglichen Dogmen und trifft damit den Nerv der Zeit: Roland Trettl über die Macht der richtigen ­Entscheidung und den Reiz der guten Küche für alle. Und warum er das nicht den Veganern und Vegetariern zuliebe macht.

Werbung

Roland Trettl hat mit den Top-Köchen der Welt zusammengearbeitet. Alleine im Salzburger »Hangar-7« begrüßte der Südtiroler 115 Gastköche. Sein Erfolgsrezept: Authentisch sein, nicht nach links und rechts schauen und keinen Plan B haben. Nur Koch zu sein, reichte Trettl allerdings nicht. Dafür war und ist er viel zu neugierig und dafür faszinieren ihn viel zu viele Dinge. »Ich habe so viel gemacht, das nicht geplant war – das gilt auch für die Fernsehshows wie Kitchen Impossible. Ich höre mir so viel an und wenn mir die Ideen gefallen, dann bin ich mit Leidenschaft dabei.« Trettl reizt der Sprung ins kalte Wasser, er stellt sich gerne gegen eingefahrene Systeme. »Ich schränke mich nicht ein, nur weil es für manche Menschen nicht in deren Konzept passt, dass ein Koch unterschiedliche Projekte umsetzt.« Der Südtiroler eckt durch seine Offenheit oft an. Der Preis beziehungsweise der Lohn dafür ist der Blick auf eine bewegte Laufbahn, wie das Fotoprojekt »Fashion Food« zusammen mit Helge Kirchberger, den gemeinsam mit Robert Blaschke entworfenen Lohberger Herdblock T1 und die zusammen mit Sodexo für die ­Betriebsgastronomie umgesetzte vegetarisch-vegane Menülinie »Peter + Silie«. Trettl wählt die Projekte und Aufträge mit Bedacht aus, wie er sagt. In sich ruhend, fast schon bescheiden wirkt der 45-Jährige, wenn er über seine Familie und sein Leben spricht. »Umso mehr du hast, umso mehr brauchst du. Ich brauche keine zwei Häuser und fünf Betten und auch keine fünf Boote, die ich abbezahlen muss. Ich mache nur die Dinge, die ich machen möchte und achte darauf, dass ich nicht ausgebucht bin, sondern genügend Freizeit für meine Familie und mich habe. Die, die glauben, dass sie jede Anfrage annehmen müssen und sich verbiegen aus Angst davor, dass die Nachfrage nachlässt, sind Gefangene.« Trettl vertraut auf seine Entscheidungen und bereut sie nicht. »So kann ich flexibel und spontan sein – wir beide sind heute doch das beste Beispiel dafür«, argumentiert er schmunzelnd, bezugnehmend auf den zwanglos vereinbarten Interviewtermin.

Weiterlesen

Werbung