Die dunkle Seite des Bieres

Peter Eichhorn, 03.10.2023

Ein kühles Blondes ins Glas? Nein danke, heute nicht. Wir möchten gerne etwas Dunkles zu uns nehmen, mit Röstaromen, Malznoten und womöglich einem Hauch von Trockenfrucht. Darf es zur Abwechslung ein köstlicher Speisenbegleiter und eine charmante Brauspezialität für die kühle Jahreszeit sein?

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Bis vor etwa 180 Jahren waren die allermeisten Biere dunkel. Braunbiere mit wenig ansprechender Optik. Doch den Durstigen musste das damals egal sein, denn es mangelte schlicht an Alternativen, und auch das Auge trank noch nicht mit, wenn der Gerstensaft aus undurchsichtigen Ton- oder Holzkrügen floss. Doch das Jahr 1842 veränderte die Bierwelt radikal. Die Bürger des böhmischen Städtchens Pilsen begehrten damals auf gegen die miserable Qualität der städtischen Brauerei. Auf der Suche nach einem neuen Braumeister wurde man in Bayern fündig. Ein gewisser Josef Groll wurde angeheuert und traf in Pilsen auf bemerkenswerte Rahmenbedingungen. Das Saazer Land lieferte guten Hopfen und das Wasser von Pilsen war von guter, weicher Qualität. Ein goldenes, helles Bier erblickte in der Folge das Licht der Welt und noch heute schwören Biertrinker auf das Pilsner Urquell – es war der Startschuss für helle Lagerbiere nach Pilsener Brauart. Weitere Innovationen folgten im Rahmen der industriellen Revolution. Kühlaggregate halfen, die Temperatur bei der Gärung zu steuern, die Erhitzung des Malzes konnte schonender kontrolliert werden und eine neue Glasindustrie machte Glas erschwinglich. Plötzlich sah man, was man trank und der Siegeszug der goldenen, untergärigen Lagerbiere schritt unaufhaltsam voran.

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