Essay: Avantgarde Adieu

Christoph Teuner, 03.03.2019

Wie ein leidenschaftlicher Esser von der Spitzenküche genug bekam. Eine Polemik gegen Turbo-Kulinarismus, Verzichtsdekadenz, Biomöhren-Missionare und die nervtötende Überhöhung von Essen.

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War früher alles besser? Als man noch – wie schön – Foie gras und Beurre blanc aß. Als man von Herren in Schwarz bedient wurde. Als ich beim großen Witzigmann, beim großen Haeberlin und bei Saucengott Wohlfahrt meine ersten Sterne sammelte. Nein, nicht alles war besser. Aber heute ist vieles schlechter. Was? Ich bin Opfer geschwätziger Kochtechnik-Streber, die etwas so wunderbar Bauchiges wie Essen künstlich verkopfen. Ich kriege Einheitsmenüs! Und am Ende habe ich Hunger! Zwangsdiät Nummer 1 erlitt ich im »Atelier Crenn« in Kalifornien. »Hier benutzt man Puppenküchentöpfe«, schrieb ich damals. Die Pizza danach war die erste von inzwischen vielen Verzweiflungstaten. So viele Chips oder Döner auf Flughäfen und in U-Bahnhöfen! Neulich erst drei Schokoriegel nach einem Essen im »Noma«. Ein Abend im Restaurant »Ernst« in Berlin setzte allem das Krönchen auf: Was einsam auf den Tellern lag, war so klein und leicht – ich hätte es wegpusten können. Achtung, es geht hier nicht nur ums Sattwerden. Nein, ich kann mir keinen Gang mehr erschmecken. Einen Eindruck überprüfen? Das Wechselspiel mit dem Wein erkunden? Unmöglich! Die Portionen sind zu klein dafür. Der Gutverdiener gibt Unsummen für Mager-Menüs aus. Das ist dekadent. Die Ironie: Im Wortsinn ist ein Restaurant ein Ort, an dem man gestärkt, »wiederhergestellt« werden soll.

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