Lars Eidinger überraschte das Publikum in den vergangenen beiden Jahren mit seiner völlig neuen Interpretation des »Jedermann«. Kein selbstbewusster Macho war am Domplatz zu sehen, sondern ein grauer, weißer Mann, dessen Zeit endgültig vorbei ist. An seiner Seite die strahlende Buhlschaft Verena Altenberger.

»Jedermann«: Wie eine Verlegenheitslösung Theatergeschichte schrieb

Judith Hecht, 14.07.2023

Die Salzburger Festspiele und der »Jedermann« gehören zusammen, schon seit über hundert Jahren. Versuche, den dekadenten Prasser vom Domplatz zu verjagen, gab es zwar immer wieder, doch »Jedermann« ließ sich nicht vertreiben – jedenfalls nie für lang.

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Schon die allerersten Salzburger Festspiele wurden mit Hugo von Hofmannsthals Theaterstück »Jedermann« eröffnet. Das war am 22. August 1920. Und immer noch – ein Jahrhundert später – ist das Spiel vom Sterben des reichen Mannes auf dem Salzburger Domplatz der Auftakt für das wohl berühmteste Kulturfest der Welt. Man könnte meinen, Hofmannsthal habe schon beim Schreiben seines Mysterienspiels den Domplatz vor Augen gehabt. Denn es gibt wohl keine Kulisse, vor der sich die Geschichte des gewissenlosen Lebemanns, der erst angesichts des nahen Todes seine Missetaten bereut und seinen Glauben findet, besser erzählen ließe als ebendort. Doch so war es nicht.

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