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Gustav Grüner war ein Freund Friedrich Torbergs, der in mindestens drei Kaffeehäusern, vor allem aber im »Café Herrenhof«, die Position eines Stammgastes beanspruchte. Von ihm stammt der fundamentale Satz: »Ein anständiger Gast stellt beim Verlassen des Kaffeehauses seinen Sessel selbst auf den Tisch.« Torberg schrieb dazu in seiner legendären Anekdotensammlung »Tante Jolesch«: »In dieser Form wurde Grüners Postulat Nacht für Nacht im Café Herrenhof von ihm erfüllt.« Torberg und die Wiener Kaffeehäuser – kaum ein Schriftsteller hat mehr zur Legende der Wiener Kaffeehausszene beigetragen. »Im Grunde ist das ganze Buch ein Buch über das Kaffeehaus«, schrieb Torberg über die »Tante Jolesch«, in der er unzählige Geschichten aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg verewigte. Das Geheimnis und damit das Unvergleichliche der Wiener Kaffeehauskultur beschrieb auch Stefan Zweig in »Die Welt von Gestern«: »Um dies zu verstehen, muss man wissen, dass das Wiener Kaffeehaus eine Institution besonderer Art darstellt, die mit keiner ähnlichen der Welt zu vergleichen ist. Es ist eigentlich eine Art demokratischer, jedem für eine billige Schale Kaffee zugänglicher Klub, wo jeder Gast für diesen kleinen Obolus stundenlang sitzen, diskutieren, schreiben, Karten spielen, seine Post empfangen und vor allem eine unbegrenzte Zahl von Zeitungen und Zeitschriften konsumieren kann.« Ein leichtfüßig-melancholischer Ort am Rand der vergehenden Zeit. Eine Insel im Verfließen des Tages. Der Ursprung des Wiener Kaffeehauses geht auf eine Legende zurück: So soll der aus Polen stammende Georg Franz Kolschitzky nach der zweiten Türkenbelagerung 1683 ein paar Säcke mit Kaffeebohnen gefunden haben. Die Wiener hielten den Inhalt zunächst für Kamelfutter, Kolschitzky aber wusste, was es war, und so wurde er Wiens erster Kaffeesieder. Die Geschichte hat nur einen Haken: Sie ist frei erfunden. Tatsächlich war es eine schillernde Persönlichkeit armenischer Herkunft, nämlich Johannes Diodato, der 1685 vom Hofe die Erlaubnis erhielt, Kaffee auszuschenken. Dies war die eigentliche Geburtsstunde des Wiener Kaffeehauses.
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