Lohnbrennereien: Fürs Brennen brennen

Michaela Ernst, 17.08.2017

Was tun mit dem vielen Obst aus dem eigenen Garten? Am besten, man bringt es zu einem Schnapsbrenner und lässt sich dort sein ganz persönliches Destillat brennen.

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Wer einen Obstgarten hat, weiß: 30 Kilo Früchte sind nicht viel. Sie kommen oft schneller zusammen, als einem lieb ist. Als nachhaltigkeitsgeschulter Foodie lässt man sie natürlich nicht halb zerquetscht in der Wiese verrotten, selbst wenn Vögel, Wespen und allerlei Gewürm ihre Freude daran hätten. Andererseits – Marmelade einkochen (gibt es da nicht noch Gläser vom Vorjahr?), jeden zweiten Tag Kuchen backen oder den Nachbarn immer wieder neue Obstsäcke an die Tür hängen (bitte ganz freundlich!) ist auf Dauer nicht erfüllend. Ein befriedigender Grundsatz, der in Zusammenhang mit Obst stets seine Gültigkeit hat, lautet: Es zählt, was hält. So gewinnt auch das Schnapsbrennen in Eigenregie immer mehr an Bedeutung. Doch bevor man sich via Onlineshops wie alambic-classique.com oder destillatio.eu mit Profiwerkzeug eindeckt, ­sollte man Rat von Experten einholen. In Österreich kann man das bei einem der Weltbesten tun. Seit Alois Gölles vor bald zwei Jahren seinen Firmensitz im steirischen Riegersburg zu einer veritablen Brände-Erlebniswelt umgestaltet hat, kommen an die 30.000 Schnapsfreunde jährlich zu Besuch. Er lehrt sie Elementares, etwa dass Obst beim Brennen nicht gleich Obst ist. Um einen Liter Brand herzustellen, braucht man zum Beispiel 30 Kilo Vogelbeeren oder 29 Kilo Himbeeren, aber nur zehn Kilo von der Herzkirsche, zwölf von der Zwetschge oder 16 von der Williamsbirne. Die Früchte gehören stets gereinigt und entsteint – bei hochqualitativen Bränden besteht die Maische ausschließlich aus Fruchtfleisch. Gölles selbst säubert sogar die Kerne, trocknet sie und verwendet sie zur Beheizung der Anlage. Die Früchte sollten wenige Stunden nach der Ernte eingemaischt werden, so lässt sich die Bildung schädlicher Bakterien vermeiden.

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