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Es ist etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang in Südkorea. Jeong Kwan sitzt hellwach in der Buddha-Halle ihres Tempels und meditiert, wie jeden Morgen. Um den Baekyangsa-Tempel zu erreichen, fährt man von der Hauptstadt Seoul etwa fünf Stunden. Am Rande des Naejangsan-Nationalparks führt ein steiler Weg durch vier buddhistische Klostertore hindurch auf den gleichnamigen Naejangsan-Berg, bis man schließlich vor dem kleinen Tempelareal steht. Hier, in vollkommener Abgeschiedenheit, lebt Kwan als zen-buddhistische Nonne. Naejangsan bedeutet übersetzt »viele Geheimnisse«, aber Kwan selbst ist längst keines mehr. Vielmehr wird sie inzwischen auf der ganzen Welt für ihre vegane Küche gefeiert. »Noma«-Spitzenkoch René Redzepi gehört zu den prominentesten Schülern der buddhistischen Küche – Fermentatationstechniken und die Konzentration auf das Wesentliche sind Elemente, die hier ihren Ursprung haben. Eric Ripert, Chef de Cuisine im New Yorker Top-Restaurant »Le Bernardin« machte Kwan bekannt. Nach mehreren Be-suchen in ihrem Tempel lud er sie nach New York ein. Dort ernannte die »New York Times« Kwans Küche zum »most exquisit food in the world«. Und Netflix filmte für die Fernsehserie »Chef’s Table« in ihren heiligen Hallen.
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