Bieten ihren Kunden jetzt eine eigene »Klassiker«-Liste mit reifen Weinen an: Eva und Hajo Becker.

Reife Rieslinge

Ulrich Sautter, 30.05.2017

Immer nur den jüngsten Riesling-Jahrgang im Glas? Geht gar nicht, finden Deutschlands Winzer wie etwa Hajo Becker. Und demonstrieren mit ihren Weinen im Falstaff-Test, was einem alles entgeht, wenn man den Flaschen zu früh den Korken zieht.

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Es ist ein besonderes Flair, das gereifte Weine umgibt. Schon die Kellerpatina einer alten Flasche zieht die Aufmerksamkeit auf sich: mit ihren Spuren von Zeit und Feuchtigkeit und mit Etiketten, deren graphische Gestaltung einen in ein anderes Jahrzehnt versetzt. Fließt der Wein schließlich golden und ölig ins Glas, steigt die Spannung: Kann man die kräftige Farbe als Hinweis auf überströmende Würze und auf reife Fülle deuten? Oder erweist sich das Goldgelb als Vorbote der Oxidation? Bei der Falstaff-Verkostung mit deutschen Rieslingen aus den Jahrgängen zwischen 1976 und 2011 erlebte die Jury 61 dieser spannenden Augenblicke – in der bei weitem größeren Zahl der Fälle mit positivem Ausgang. Nicht wenige Weine erweckten sogar den Eindruck, noch Lagerpotenzial für weitere Jahre zu besitzen. Die Nachricht, dass es sich lohnt, Riesling wegzulegen, ist nicht neu. Doch lange Zeit wurde sie nicht gehört. »Abstrus«, sagt Nik Weis, dessen Weine vom Sankt Urbans-Hof in der Falstaff-Probe besonders geglänzt haben. »Ich kann nur immer wieder fragen: Wie ist das denn beim Bordeaux? Trinkt man den auch sofort nach der Auslieferung? Steht bei den Leuten jetzt etwa der 2014er Pétrus auf dem Küchentisch?«

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