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Die Böden und das rauere Klima lassen an den Ausläufern der Koralpen in der Weststeiermark einen Wein entstehen, wie es ihn so nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Die Farbnuancen dieses Roséweins reichen von einem blassen Rosa über Zwiebelfarben bis hin zu Rubinrot. Einst konnten Kenner allein an der Farbschattierung die Ortschaft der Herkunft punktgenau erkennen. Den Namen soll der Schilcher von seinem schillernden Glanz im Glas bekommen haben, so erzählt es eine der viele Geschichten, die sich um diesen sagenhaften Wein ranken. Wer ihn persönlich bereits in größeren Mengen genossen hat, der weiß, dass manch Wahres in den Überlieferungen steht. Der Schilcher bringe Stumme zum Reden und mache jünglingsfroh manch Alten – so weiß es die Mär. Die schmähliche Bezeichnung »Rabiatperle« verdient er auf keinen Fall, denn bisher sind eher Fälle bekannt geworden, wo Buschenschank-Gäste »rabiat« wurden, weil der Schilcher-Nachschub zu lange auf sich warten ließ, also weil sie zu wenig und nicht zu viel davon bekommen hatten. Riecht man am Glas, so offeriert der echte Schilcher vegetale Nuancen, die an die grasigen Sauvignon-Blanc-Noten erinnern. Auch kann er Stachelbeeren, Schwarze Ribisel, aber auch Walderdbeeren und Limettenschalen anklingen lassen. Am Gaumen ist der klassische Schilcher aber staubtrocken und besitzt eine klare, saure Komponente, die durchaus in der Kategorie »herzhaft« angesiedelt sein darf. Eine Eigenschaft, die diesem Wein, der eine Jahrhunderte zurückverfolgbare Tradition besitzt, nicht immer lobende Worte eingetragen hat. So schrieb einst Papst Pius VI., der 1782 auf einer Reise zu Kaiser Joseph II. bei den Franziskanern von Maria Lankowitz übernachtete, in sein Reise journal: »Hier hat man uns einen rosaroten Essig vorgesetzt, den sie Schilcher nennen.« Die Rebsorte, aus der man den Schilcher exklusiv erzeugt, ist die Blaue Wildbacher, deren Name einige Synonyme hat, von denen Spätblau wohl das bekannteste ist. Ihren Ursprung hat die autochthone Blaue Wildbacher mit ziemlicher Sicherheit in der Steiermark, sie ist ein Heunisch-Sämling und genetisch sehr nahe mit der Blaufränkisch-Rebe verwandt, deren Ursprung erst in jüngster Zeit in der Untersteiermark, im heutigen Nordost-Slowenien, verortet werden konnte.
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