Grüne Reben und blaues Meer, eine Wohltat für Auge und Seele: So sieht es vielerorts aus an Siziliens Küsten.

Sizilien: Der Wein-Kontinent

Othmar Kiem, 12.04.2019

Die größte Mittelmeerinsel stand einst für billige Massenweine. Mit einer neuen Generation von Winzern knüpft Sizilien an eine jahrtausendealte Hochkultur an.

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Rund um den großen Tisch herrscht ehrfurchtsvolle Ruhe. Vor dem knappen Dutzend Weinjournalisten stehen jeweils 15 Gläser des Rosso del Conte aus Jahrgängen von 2016 bis 1983. Eine beeindruckende Reihe. Auch der älteste Jahrgang der Vertikalen zeigt sich noch immer präsent und frisch: Wer hätte einem Wein aus Sizilien zugetraut, dass er ein solch biblisches Alter erreichen kann? »Dabei ist das noch lange nicht der erste Jahrgang des Rosso del Conte«, meint der strahlende Alberto Tasca. Sein Großvater, Conte Giuseppe Tasca d’Almerita, hat einst mit dem Qualitätsweinbau auf Regaleali begonnen. Ende der 1960er-Jahre reiste er nach Südfrankreich und war beeindruckt vom Châteauneuf du Pape. Heimgekehrt ging er daran, einen eigenen Wein zu kreieren, der diesem in Ausdruck und Fülle entsprechen könnte. 1970 erzeugte er den ersten Rosso del Conte, eine Cuvée aus den lokalen Sorten Nero d’Avola und Perricone. Dabei gibt der Nero d’Avola Frische und Frucht, der Perricone bringt Struktur und Tannin. In den ersten Jahren reifte der Wein in Fässern aus Kastanienholz, später in Eiche.Und die beeindruckendsten Weine der Vertikalen? Neben 1983 waren das 1990, 1999, 2010 und dann vor allem 2015 und 2016. Mit seinem Geburtsjahr 1970 war der Rosso del Conte der erste Lagenwein Siziliens, Conte Giuseppe ein weitblickender Pionier. Wie ganz Italien lag die Insel damals in Sachen Weinqualität noch im Tiefschlaf. Ein schlafender Gigant: Denn mit 103.000 Hektar verfügt der Weinbau auf Sizilien über ziemlich genau die gleiche Rebfläche wie ganz Deutschland.

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