Professor Friedrich Zweigelt Portrait

UMFRAGE: Soll der Zweigelt umbenannt werden?

12.12.2018

Die Nazi-Vergangenheit des Rebzüchters Fritz Zweigelt lastet auf dem Renommé der Sorte. Immer mehr Menschen fordern einen neuen Namen.

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»Abgezweigelt«. So nennt ein medienwirksames Wiener Kunstprojekt eine Initiative zur Umbenennung der Rebsorte Zweigelt. Die Initiatoren zitieren den Historiker Roman Sandgruber: »Der Unverbesserlichkeit maßgeblicher politischer Entscheidungsträger sei es geschuldet, dass Österreichs prominenteste Rotweinsorte im Jahre 1975 im Zuge der Qualitätsweinrebsorten-Verordnung in Zweigelt umbenannt wurde und damit nach einem prominenten, weniggewandelten Nationalsozialisten benannt ist und dass seit 2002 mit höchster politischer Beihilfe jährlich auch ein Dr. Fritz Zweigelt-Preis mit einer entsprechenden Porträt-Medaille verliehen wird.« Künstler und Historiker des »Instituts ohne direkte Eigenschaften« (unter ihnen Schauspielerin und Uhudler-Produzentin Konstanze Breitebner und Autor Robert Streibel (»Der Wein des Vergessens«) fordern im Rahmen eines Kunstprojekts die Umbenennung der Rebsorte. Zwei Winzer nennen ihren Zweigelt im Zuge dessen »Blauer Montag«. Willi Klinger, Chef der Österreichischen Weinmarketing, ist sich der Problematik sehr wohl bewusst. Im Gespräch mit Falstaff betont er, dass intensiv an der Aufarbeitung der Geschichte des österreichischen Weinbaus gearbeitet wird. Im Jahr 2019 soll ein 700 Seiten starkes »Monumentalwerk« dazu veröffentlicht werden: »Ich habe auch besonderen Wert darauf gelegt, dass im Rahmen dieses Werks die Thematik Zweigelt genauer erforscht und gesondert dargestellt wird. Dafür konnte ich Dr. Daniel Deckers von der FAZ gewinnen, der mit dem Buch ›Im Zeichen des Traubenadlers‹ eine Geschichte des deutschen Weins vorgelegt hat und mit dem deutschen Weinbau in der NS Zeit wissenschaftlich vertraut ist. Dr. Deckers hat u. a. die vorhandenen Quellen in den Staatsarchiven in Berlin und Wien ausgehoben und studiert, den Personalakt Zweigelt im Landwirtschaftsministerium und die bisher nicht bearbeiteten Dokumente in der HBLA Klosterneuburg gesichtet und ausgewertet, sowie auch die Zweigelt-Nachkommen Thomas Leithner und seine Mutter persönlich befragt und ihre Unterlagen berücksichtigt«. Falstaff Wein Chefredakteur Peter Moser wird in seinem Beitrag über Prof. Lenz Moser auch dessen Rolle bei der Verbreitung der Sorte Rotburger/Zweigelt beleuchten. Die genannten Autoren werden auch die Frage, wie es in den 70er-Jahren zur Umbenennung von Rotburger auf Zweigelt kam in diesem Teil der Weingeschichte zu klären versuchen. Klinger unterstreicht: »Wir machen tabula rasa. Nach der wissenschaftlich-historischen Untersuchung kann ein Prozess beginnen, an dessen Ende eine Umbenennung stehen kann. Ich schließe nichts aus und bin ganz offen. Es darf aber nicht auf Mutmaßungen beruhen.« Unbestritten ist jedenfalls die Qualität der Rebsorte, was auch eine große Anzahl an hohen Falstaff-Bewertungen belegt. Es geht um einen bewussten Umgang mit unserer Geschichte, ohne Scheuklappen. Was meinen Sie?

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