Was ist Culinary Nation Branding?

Martina Hohenlohe, 24.01.2018

Was steckt dahinter, eine Nation zur kulinarischen Berühmtheit zu machen? Die Konsulenten und Herausgeber des schwedischen »Fool Magazine«, Lotta und P.-A. Jörgensen im Interview.

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Plötzlich pilgerten alle nach Schweden. Oder nach Dänemark. Weil man plötzlich dort, wo man bisher außer Schweinen, Flechten und Smørrebrød kulinarische Ödnis vermutete, so gut isst wie nirgendwo sonst. Aus der ganzen Welt landen neugierige Genussmenschen in Skandinavien. Wie hat man das dort bloß gemacht? Antworten geben Lotta und Per-Anders Jörgensen, Herausgeber des schwedischen »Fool Magazine«. Gault&Millau Culinary Nation Branding – was ist das, und wofür ist es gut? Lotta Jörgensen Kurz gefasst, geht es um die Traditionen und das kulinarische Erbe eines Landes. Per-Anders Jörgensen Es geht darum, herauszufinden, was an einem Land einzig-artig ist, und der Welt davon zu erzählen. Das Interesse an den Dingen zu schüren, die dieses Land besonders machen, die es woanders nicht gibt. Österreich ist in dieser Hinsicht gesegnet, weil es hier auch Wein gibt. Wenn ein Land Wein produziert, hat es schon von Haus aus eine tiefere Essens-kultur. Die Weinproduktion in Österreich reicht schon sehr lange zurück, während wir im Norden uns bei diesem Thema etwas mehr abmühen müssen. Wir hatten früher keine Essenskultur in diesem Sinne, wir aßen im Wesentlichen, um zu überleben. Darin hat Österreich einen von vielen Vorteilen, es gibt so viele unterschiedliche Variationen von regionalen und traditionellen Gerichten, die ein wirklich interessantes kulinarisches Erbe bilden. In Schweden erfahren Sie eine interessante und beeindruckende Entwicklung des ­internationalen kulinarischen Ansehens. Wie ist das passiert, und wer stand dahinter? Lotta Das war die schwedische Regierung, die für ein internationales Branding für vier Jahre Zuschüsse verteilte. Dabei ging es aber nicht nur um die Köche, sondern auch um kleine Produzenten, die mit diesem Geld ihre Träume verwirklichen konnten und auch eine Chance bekamen, in den großen Restaurants präsent zu sein. Per-anders Das lief auf zwei unterschied­lichen Ebenen ab. Zum einen national, um das Bewusstsein im Land selbst zu stärken und es den Menschen zu ermöglichen, Betriebe zu führen, zum anderen aber auch international, um Journalisten und Touristen anzuziehen und das Land für sie interessanter zu machen. Welche Rolle spielt die Politik? Stichwort: Gastrodiplomacy? Per-Anders Politiker können nicht viel mehr tun, als Katalysatoren zu sein. Sie können helfen, aber zuerst braucht man das Rohmaterial. Man braucht Menschen, das Können, die Energie und die Bewegung dafür, weil es sehr schwierig ist, etwas alleine durch Politik zu kreieren. Lotta Gleichzeitig kann man nicht ohne die Politiker auf einem hohen Level mit Kulinarik arbeiten. Man muss nur nach Peru oder Mexiko blicken – es muss auch die Lebensmittelproduktion innerhalb des Landes gestützt werden. Das muss die Politik übernehmen.

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