Kreation aus dem »Mochi«: Wolfsbarsch in einem japanischen Muschelsud.

Wien isst multikulti

Tobias Müller, 04.06.2017

Ramen ist eigentlich eine Kreation aus China und die Wiener Küche ein osteuropäisches Konglomerat. Kochtraditionen vereinen in sich mehr Kulturen, als man vermuten möchte. Ein Loblied auf die Fusionsküche.

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Fusion Cuisine hat in Österreich einen ganz besonders schlechten Ruf. Der Begriff klingt nach 1990er-Mief, nach Schulterpölstern und neonfarbenen Anzügen, nach Running Sushi beim Chinesen und auf Zitronengras gespießten Tiefkühlgarnelen mit Balsamicoreduktion. So schlecht ist es um den Begriff bestellt, dass Gastronomen sich allergrößte Mühe geben, nicht damit in Verbindung gebracht zu werden – selbst wenn es genau das ist, was sie machen. »Als wir eröffnet haben, war das ein Thema«, sagt auch Tobias Müller, Restaurantleiter im »Mochi« (und nicht mit dem Autor verwandt), seit Jahren eines von Wiens gefragtesten Lokalen, das mit Angeboten wie Sushi-Pizza oder Matcha-Crème-brûlée berühmt wurde. »Wir haben dann auf die Webpage geschrieben: ›Mochi verbindet traditionelle japanische Küche mit den verschiedensten internationalen Küchen.‹« Simon Xie Hong wiederum, Wiens geschmackssicherster und erfolgreichster Chinarestaurateur, richtet auf seiner Website aus: »No Kitsch, no Dragon Deco, no forceful Fusion«, um dann Thunfisch-Tatar mit Kürbiskernöl oder Beuschel aus dem Wok anzupreisen.

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