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Die Hitze hält an diesem Junimorgen das Tessin schon früh im Griff. Die schmale Strasse windet sich von Sementina den Steilhang zum Weingut Mondò hoch. Die Reben sind zwischen Felsen und Buschwald eingeklemmt. Der Blick reicht von Bellinzonas Burgen bis zur Mündung des Ticino in den Lago Maggiore. Er schweift über die Magadinoebene, die dem langge-zogenen Hügel – der «Sponda destra» – vorgelagert ist und an Tagen wie heute die flirrende Luft aufheizt. Wir sitzen drinnen im kühleren Degustationsraum der Azienda Mondò. Giorgio Rossi entkorkt einen frischfruchtigen Rosato. Der passt jetzt besser als etwa sein eleganter Merlot Ronco dei Ciliegi. Der knackige Wein stammt aus der Rebsorte Bondola. Rossi keltert neben Anna Nespoli aus Novazzano im südlichsten Zipfel des Kantons aus Bondola einen Rosé. «Es ist ein süffiger Tropfen für die Weinbars, entstanden aus der heiteren Laune einer fidelen Stammtischrunde.» Giorgio Rossi erzeugt natürlich auch einen seriösen Bondola. Dessen Name «Bondola del Nonu Mario» offenbart, dass er als Hommage an Grossvater Mario gedacht ist. Giorgio erzählt: «Mein Grossvater war ein Bauer. Er besass ein paar Kühe und Ziegen, mit denen er auf die Alp zog. Daneben war er Jäger und Winzer. Die Trauben verkaufte er der Genossenschaft.» Einen Teil der Bondola-Ernte hatte Mario aber immer selber gekeltert. Giorgio erinnert sich, wie er dabei als Junge geholfen, die Trauben mit den Füssen gestampft und wie sich im Keller während der Gärung ein schwerer Duft nach frischem Most ausgebreitet hatte, der ihm noch heute als olfaktorische Erinnerung im Gedächtnis gespeichert ist. Diese Erinnerung ist wohl unter anderem dafür verantwortlich, dass Rossi Winzer wurde. Denn vorgespurt war der Weg nicht. Giorgios Vater hatte sich von der Scholle gelöst und dem jungen Rossi das Ingenieurstudium ermöglicht. «Parallel zum Beruf kümmerte ich mich zusammen mit meinem Bruder Andrea aber stets um die in der Familie verbliebenen Rebstöcke.» Dabei gerät er allmählich wieder in den Bann der Winzerei. 1993 keltert er 300 Liter eigenen Wein. 1994 sind es 600 Liter. Seit 1997 lebt er vom Weingeschäft. 1999 wurde ein Keller erbaut. Heute erzeugt der 47-Jährige aus sieben Hektaren Reben rund 35.000 Flaschen.
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