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Fasten ist heute Privatsache. Das war nicht immer so. Bis zur Säkularisation bestimmte das Fasten das Leben der Menschen. «Geht man von der allgemeinen Erfahrung aus, dass umso mehr geschummelt wird, je unerträglicher oder unsinniger man die Verbote findet, könnte eine Hochblüte des Fastenschwindels im Mittelalter gewesen sein», betont Ethnologin Helga Maria Wolf. Alles in allem galten mehr als 150 Tage pro Jahr als Fasttage. Die Menschen verzichteten mehrmals pro Woche auf Fleisch, in der 40-tägigen vorösterlichen Busszeit zudem auf Eier, Milch und «Laktizien», wie Milchprodukte hiessen. In dieser Zeit durfte man sich zudem nur einmal täglich satt essen. Dazu kamen Vigilfasten vor hohen Festtagen und Quatemberfasten – also viermal jährlich –, zeitweise auch zwischen Martini (11. 11.) und Weihnachten sowie an speziellen Fasttagen der Diözesen. Noch im 18. Jahrhundert (1717–1780) wurde – heute unvorstellbar – auch im Advent gefastet.
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