Der Chardonnay ist ein Trendsetter. Doch ist er auch mit dem Morillon verwandt?

Rebenverwandtschaft: Morillon und Chardonnay

Peter Moser, 03.01.2017

Serie Rebenverwandtschaft, Teil 3: Chardonnay ist weltweit die Trendsorte der letzten Jahrzehnte. Österreich machte eine ähnliche Rebsorte populär: den Morillon. Sind die beiden nun eigentlich verwandt?

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Wenn die jüngere Weingeschichte eine Modesorte hervorgebracht hat, dann ist es der Chardonnay. Diese Rebe bildete davor schon über mehrere Jahrhunderte die Basis für die feinsten französischen Weine wie die Montrâchets, Chablis oder Champagner, diese wurden aber stets unter dem Namen ihrer Herkunft und ohne Nennung der Rebsorte vermarktet. Erst Ende des 20. Jahrhunderts trat die Sorte aus dem Schatten ihrer berühmten Etiketten heraus und verbreitete sich als Rebsortenwein speziell in Übersee mit enormer Rasanz. Buttrige Chardonnays aus Kalifornien, Chile oder Australien überschwemmten die Märkte und machten den Sortennamen «Chardonnay» zum grössten Weissweinbegriff weltweit. Der Clou: Chardonnay wächst in so gut wie jedem halbwegs für den Weinbau geeigneten Klima und stellt geringe Anforderungen an die Böden. Beschränkt man dazu noch die Erträge, dann ergeben diese Trauben dank ihrer hohen Zuckergrade auch noch einen mehr oder weniger qualitätsvollen Wein. Der Name selbst lässt sich in den meisten Sprachen leicht aussprechen, die tatsächliche Herkunft spielte in dieser Phase für den Konsumenten der Rebsortenweine offensichtlich eine untergeordnete Rolle. Kaum eine weisse Rebsorte spricht zudem so gut auf die unterschiedlichsten Techniken der Kellermeister an. Ob kalt vergoren im Edelstahl, ob lange auf der Feinhefe und mit biologischem Säureabbau im neuen kleinen Eichenfass vinifiziert, mit dem Chardonnay lässt sich so gut wie alles anstellen, was sich der Önologe von heute so ausdenkt. Und eines steht auch bei Kennern ausser Streit: Die besten Vertreter, die auf kalkreichen Böden in kühleren Klimazonen wachsen, zählen zum Besten, was es an Weisswein gibt. Wer je das Glück hatte, einen Grand Cru aus der Côtes de Beaune oder Chablis verkosten zu können, der weiss, auf welchem stratosphärischen Genussniveau sich der Chardonnay präsentieren kann. Kein Wunder also, dass auch Ende der 1980er-Jahre in Deutschland und Österreich ein zunehmendes Interesse der Winzer am Chardonnay zu beobachten war. Zunächst wurde noch behauptet, der Pinot Blanc sei ohnehin Chardonnay, und man schrieb stolz «Pinot Chardonnay» auf die Etiketten. Schnell konnte man aber im Weingarten unübersehbare Unterschiede feststellen. Nur in der österreichischen Steiermark fand man eine alte Rebe mit auffälligen Ähnlichkeiten mit der neuen Trendsorte Chardonnay: den Morillon.

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