Schwarztee de Luxe: Les Domaines du Thé

Philipp Elsbrock, 04.04.2019

Aus Indien stammt einer der edelsten Tees überhaupt: Darjeeling. Wer es noch differenzierter mag, wählt die Pflanzen aus Einzelgärten, den Single Estates. Eine Reise ins Hochland des Himalaya.

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Tief im Norden Indiens, eingekeilt zwischen Nepal und Bhutan, spriesst Jahr für Jahr ein Vermögen aus der Erde. Abermillionen buschige Pflanzen mit dem Namen Camellia sinensis begrünen die geschwungenen Hügel, hinter denen sich die atemberaubenden Gipfel des Himalaya-Gebirges abzeichnen. Frauen mit Korb auf dem Rücken pflücken bis zu 40-mal im Jahr die Triebe der Pflanzen, immer nach dem Muster «two leaves and a bud», also zwei Blätter und eine Knospe. Dies ist die Heimat des Darjeeling – häufig als Champagner der Tees bezeichnet. Der Name der Stadt und Region steht sprichwörtlich für einen Tee, den Liebhaber auf der ganzen Welt für seine zarten Aromen schätzen – und für den sie teils astronomische Preise zahlen. Auf bis zu 2200 Meter Höhe wachsen die Pflanzen, was schon einen Teil des hervorragenden Geschmacks erklärt. Die Kälte, manchmal sogar Frost, lässt die Pflanzen im Himalaya-Hochland viel langsamer wachsen. Das andere grosse Teegebiet Indiens, Assam, liegt längst nicht so hoch, und auch der Ceylon-Tee aus Sri Lanka wächst nur auf maximal 1200 Metern. Für das Aroma wirkt sich die Höhe positiv aus, so nobel und subtil wie ein Darjeeling der ersten Ernte im Frühjahr schmeckt kaum ein Tee auf der Welt. Die Pflückerinnen zupfen nur die jüngsten Blätter und die zarteste Knospe von jeder Pflanze ab, eben jene «two leaves and a bud», was ebenfalls zu unvergleichlicher Zartheit führt. Hinzu kommt: Von nennenswerter Luftverschmutzung bleibt das Darjeeling-Gebiet bis jetzt verschont, grössere Städte gibt es dort kaum. Die Bevölkerung lebt überwiegend vom Teeanbau und vom Tourismus, Schlagzeilen machen hin und wieder wild lebende Elefanten, wenn sie in die Oberleitungen der Züge geraten. Ein Stück heile Umwelt also, was gute Voraussetzungen bietet für eine der edelsten Sorten überhaupt. Noch nicht einmal ein Prozent der indischen Teeproduktion entfällt auf Darjeeling: Von den 1,3 Millionen Tonnen Tee, die insgesamt aus Indien stammen, liefert die Region nur 10'000 Tonnen – rare, kostbare Ware. Einzigartig sind die Teegärten oder Single Estates in Darjeeling: mehrere Hundert Hektar grosse Plantagen, die einzelnen Firmen oder Besitzern gehören. Auf 87 Estates verteilt sich diese Produktion. Weintrinkern dürfte dies bekannt vorkommen, schliesslich werden auch hier die Lagen häufig ausgewiesen. Tatsächlich liegt der Vergleich mit Wein in vielerlei Hinsicht nahe, allerdings stimmt die Analogie nicht immer. Einzelne Teegärten mit Burgunder-Crus gleichzusetzen, das führe zu weit, sagt die deutsche Teesommelière Sandra Burghardt: «Schon allein aufgrund der Grösse eines Teegartens schmeckt ein Tee von dort nie so homogen, wie es bei einem Lagenwein der Fall sein kann.»

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