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Der Schweizer Wein 2015 verspricht, ein Spitzenjahrgang zu werden. Nach einem warmen Winter, aber zu kalten Februar trieben die Reben im Frühling 2015 etwas später aus als im langjährigen Durchschnitt. Ein sehr milder Frühling mit einem ausgesprochen sonnigen April beschleunigte dann allerdings die Vegetationsentwicklung. Die Blüte erfolgte vielerorts deutlich früher als üblich. Ein extrem heisser Sommer und wenig Niederschlag sorgten anschliessend für einen hohen Zuckergehalt bei der Ernte, die fast überall zwei Wochen früher als gewohnt über die Bühne ging. Gesunde Trauben und schönes, manchmal kühles Wetter liessen die Weinlese schnell und umkompliziert vonstatten gehen – unbehelligt von Störmanövern der Kirschessigfliege, der die heissen Sommertemperaturen nicht behagten. Für einen Wermutstropfen sorgte höchstens die Quantität. 2015 gehört mit 850.451 Hektolitern zu den kleineren Weinernten der letzten Jahre. Der ausbleibende Niederschlag reduzierte das Erntevolumen im Vergleich zum Vorjahr um knapp neun Prozent. Die Beeren waren infolge der trockenen Witterung kleiner, was zu leichteren Trauben führte. Wettgemacht wird die geringere Menge mit einer umso besseren Qualität: Die Winzer sind über die Güte ihrer Weine in allen Anbaugebieten des Landes begeistert. Die Walliser bejubeln ihre roten Spezialitäten Diolinoir, Humagne Rouge, Syrah, Cornalin. Die Bündner unterstreichen, dass ihre Pinots Noirs im Gegensatz zum vergleichbar heissen 2003 Frische und Säure bewahrt hätten. Manch alter Kämpe, wie etwa Dominique Rouvinez aus Sierre, schwärmt, in seiner ganzen Laufbahn kein schöneres Jahr erlebt zu haben. Andere Winzer, etwa der Waadtländer Doyen Louis-Philippe Bovard, ziehen den Vergleich mit dem legendären 1959er. Es besteht kein Zweifel: Die Konsumenten können sich auf den Jahrgang 2015 freuen. Er ist reichhaltig, besitzt viel Frucht, Stoff und Alkohol, aber auch die Frische, ohne die er rasch ermüden würde. Und womöglich handelt es sich bei ihm auch um einen veritablen «Vin de garde» – einen Wein, den es lohnt, im Keller zu vergessen.
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