In der Schweiz sind im Jahr 2016 viele «Charakterweine» herangereift.

Top & Flop: Der Weinjahrgang 2016

Othmar Kiem, Martin Kilchmann, Peter Moser, Ulrich Sautter, 06.03.2017

Ungewöhnliche Wetterphänomene sorgten 2016 ­weltweit für komplexe Rahmenbedingungen und für recht unterschiedliche Ergebnisse. Eine Übersicht.

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Nach 2015, in dem sich die Winzer gleichsam im Liegestuhl zurücklehnen konnten, bescherte ihnen 2016 ein ungleich anstrengenderes, schwierigeres und arbeitsintensives Jahr. Der meteorologische Verlauf war gekennzeichnet durch Frostgefahr im Frühling, extreme Niederschläge im Juni und Trockenheit im September. Der nasse Frühsommer machte den Pflanzenschutz, insbesondere für die Biobetriebe, zur grossen Herausforderung und erhöhte den Infektionsdruck durch Peronospera (Falscher Mehltau) markant. Kurz vor der Lese drohte zudem die Kirschessigfliege, die Ernte zu minimieren. Die Qualität war schlussendlich dank des sonnigen Herbstes fast überall gut bis sehr gut. Die Mengen differierten je nach Region und sogar nach Betrieb. Insgesamt werden sie aber als zufriedenstellend bis gut bezeichnet. Das meinen jedenfalls die Winzer zu 2016: Olivier Mounir, Salgesch, VS: «Die Früchte waren reif, die Kerne braun und die Oechslewerte durchschnittlich. Die Weine zeigen sich frisch fruchtig, mit teils intensiven Farben. Chasselas wird eher leicht und elegant und nicht auf der üppigen Seite stehen.» Pierre-Luc Leyvraz, Chexbres, VD: «Ein Chasselas-Jahrgang, der das Können des Winzers zur Geltung bringt, qualitativ vergleichbar mit 2012 und 2014.» Sabine Steiner, Schernelz, BE: «Ein Charakterjahrgang mit Ecken und Kanten – ganz wie sich der Vegetationsverlauf präsentierte. Man musste als Winzerin dauernd auf der Hut sein.» Ruedi Baumann, Oberhallau, SH: «Sehr schöner Pinot-Noir-Jahrgang mit ausgeprägter Frucht, gutem Körper und frischer Säure. Leider ist die Menge klein.» Georg Fromm, Malans, GR: «2016 war eines der schwierigsten Jahre der letzten zwei Jahrzehnte. Dank eines herrlichen Herbstes ist die Qualität aber gut bis sehr gut.» Fredi De Martin, Mendrisio, TI: «Ein schöner Jahrgang, der schon in jungen Jahren Freude bereiten wird. In Tre Valli (Sopraceneri) ist er besser als im Mendrisiotto (Sottoceneri). Zur Lagerung fehlt ihm vielleicht die Konzentration.»

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