Helles Lagerbier, wie es heute in jedem Wirtshaus aus dem Zapfhahn sprudelt, gibt es erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Von Tschechien aus eroberte die neue Brautechnik die Welt.

Wie das Blonde Bier die Welt eroberte: Vom Wiener Lager bis zum Münchner Hellen

Benjamin Herzog, 11.03.2024

Klassische helle Lagerbiere sind beliebt wie nie. Sie glänzen nicht mit Intensität, sondern mit großer Trinkbarkeit und dürfen somit an keinem Wirtshaustisch fehlen. Zu verdanken haben wir sie einem weit gereisten Österreicher und einem Bayern in Tschechien, die Mitte des 19. Jahrhunderts die Brautechnik revolutionierten.

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Das Bier ist die Visitenkarte eines Wirtes. Frisch muss es sein, kühl und natürlich blond – so hat es sich eingebürgert. Das hellgoldene Bier, das heute aus praktisch jedem Zapfhahn sprudelt, hat eine relativ junge Geschichte, und ihren Ursprung hat diese in Österreich. Der junge Bierbrauer Anton Dreher unternahm viele Studienreisen – etwa nach Bayern, wo er seine Lehre absolvierte. Schicksalshaft aber war sein Aufenthalt 1833 in England und Schottland, denn dort lernte er eine neue Technologie für das Darren von hellem Malz kennen. Das Darren, also die Trocknung von ausgetriebenem, feuchtem Getreide während des Malzens, wurde damals in unseren Breiten meist über offenem Feuer vollzogen. Dementsprechend war Bier zu dieser Zeit praktisch immer dunkel in der Farbe und besaß mehr oder weniger ausgeprägte Raucharomen. Blonde Lagerbiere, also helle untergärige Biere wie Pils, Export oder Helles gab es noch nicht. Dreher versuchte sich zunächst mit dem neuartigen, hellen Malz, das er in England kennenlernte und mit dem er das ganze Jahr über obergä­rige Pale-Ale-artige Biere bei warmen Temperaturen herstellen konnte. Untergärige Biere ließen sich nur in den kühlen Wintermonaten brauen.

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