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Heute gelten »Small Plates« – vom spanischen Tapas-Boom bis zu modernen Sharing-Konzepten – als Inbegriff zeitgemäßer Gastronomie, doch Venedig praktiziert dieses Prinzip seit Jahrhunderten. In der Lagunenstadt waren kleine Bissen, die sogenannten »Cicchetti«, schon früh eine pragmatische Antwort auf den Alltag: Wer zwischen Handel, Schifffahrt und Verhandlungen unterwegs war, brauchte schnellen, konzentrierten Genuss statt ausladender Menüs. In der aktuellen Ernährungs- und Genussdiskussion lässt sich diese Tradition nun neu lesen: Kleine Portionen, vielfältige Aromen und geteilte Teller ermöglichen es, mehr Geschmäcker zu probieren, ohne zwangsläufig mehr zu essen – vorausgesetzt, die Vielfalt wird nicht zur Einladung zum Übermaß. Cicchetti zeigen, wie ein historisches »to go«-Format zu einem Modell für bewussten, intensiven Genuss werden kann: viele erste Bissen statt eines Wegs in die geschmackliche Ermüdung. Warum ist das so?
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