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Wer kennt es nicht, das Märchen rund um das Mädchen, das allein seiner Schönheit wegen zahlreiche Edelmänner und Ritter in ein von Dornen umranktes Schloss lockte? Der geheime Held der Mär, ohne den es das Dornröschen wohl nicht geschafft hätte, über Jahre hinweg derart attraktiv zu bleiben, ist: der Schlaf. Was genau dieser mit unserem Körper macht, hat die moderne Forschung, ganz abseits aller Märchen, in den letzten Jahrzehnten entschlüsselt. Priv.Doz. Dr. Michael Saletu ist Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung, kurz ÖGSM – und beschäftigt sich in seiner Arbeit täglich mit den nächtlichen Stunden. »Schlaf ist eine unabdingbare Voraussetzung für unsere psychische und physische Gesundheit«, weiß der Neurologe und Schlafmediziner. »Er ist eigentlich der wichtigste Regenerationsprozess, den wir haben – deshalb schlafen wir auch ein Drittel unseres Lebens.« Eine gesunde »Mütze« nimmt sieben bis neun Stunden unseres Tages ein, die sich in mehrere, sich wiederholende Phasen gliedert. Zum einen ist das der REM-Schlaf – kurz für Rapid-Eye-Movement – der wichtig für die kognitive Verarbeitung ist. Für die Regeneration hingegen ist der Non-REM-Schlaf verantwortlich: Während dieser Phase sinken zunächst Herzfrequenz und Körpertemperatur, im »langsamen Wellenschlaf« schließlich beginnt der Körper mit der Erholung und Reparatur seiner Zellen. In der tiefsten traumlosen Phase kommt es zudem zu einer erhöhten Blutversorgung, die das Immunsystem stärkt. Diese »Entrümpelungsfunktion von Abbauprodukten«, wie Dr. Michael Saletu es nennt, geht auf das glymphatische System zurück, das man im letzten Jahrzehnt entdeckt hat. »Es ist eine Art Müllabfuhr des Körpers, da es im Schlaf schädliches Zelleiweiß abbaut – und eigentlich die wichtigste Schlüsselstelle zum Beispiel bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer ist.« Zu wenig Schlaf, so die konsequente Schlussfolgerung, hat verschiedenste negative Auswirkungen. Das beginnt ganz allgemein bei Reizbarkeit, merkbar verschlechterter Konzentration sowie einer verringerten Leistungsfähigkeit und reicht bis hin zu chronischen Gesundheitsproblemen im Alter wie Alzheimer oder Bluthochdruck. »Wenn ich künstlich den Schlaf unterdrücke oder häufiger aufwache, dann erhöht das die Wahrscheinlichkeit für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenfunktionsstörungen«, so der Neurologe. Diese Wirkung könne sogar bei gesunden jungen Schläfer:innen nachgewiesen werden.
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