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Historische Stoffe im Interieur: Damast, Jacquard und venezianische Drucke

Inspiration
Textil
Interior Design
Wien

Damast, Jacquard, Archivmuster und venezianische Drucke zeigen, wie historische Textilien heute wieder mehr Wärme, Tiefe und Charakter in Räume bringen.

Archive werden wieder Gegenwart

Historische Stoffe gewinnen immer dann Kraft, wenn sie nicht bloß als Zitat der Vergangenheit auftauchen, sondern wieder als Entwurfsquelle dienen. Genau das lässt sich in Wien derzeit besonders gut beobachten. Das Leopold Museum erhielt das Backhausen-Archiv als Dauerleihgabe; es umfasst rund 11.000 Objekte mit Entwürfen und Stoffproben aus Historismus, Jugendstil, Art Deco und Kinetik. Im MAK wurde die Schausammlung »Textilien und Teppiche« 2026 neu präsentiert und um weitere textile Positionen erweitert, wodurch der Blick über einzelne Kostbarkeiten hinaus auf das größere gestalterische Umfeld gelenkt wird.

Damast wird leichter

Damast kehrt zurück, jedoch nicht in seiner schwersten und repräsentativsten Ausprägung. Heute erscheint er matter, feiner abgestimmt und meist nur punktuell eingesetzt, etwa an Vorhängen, Polsterungen oder einzelnen Akzentflächen. Damit wandelt sich auch seine Rolle im Raum: Aus einem historischen Motiv wird wieder ein wohnlicher Stoff mit Tiefe. Wie konsequent diese Entwicklung in der Gegenwart angekommen ist, zeigt JAB ANSTOETZ mit dekorativen Stoffen wie »ROYAL«, die klassische Bildsprache in eine ruhigere, zeitgemäße Form übersetzen.

Ornamente werden grafischer

Besonders spannend wird das Thema dort, wo historische Vorbilder nicht opulenter, sondern präziser werden. Ornament verliert an Dichte und gewinnt an Klarheit. In der Kollektion »INCANTO« übersetzt Zimmer + Rohde Einflüsse der Alhambra in reliefartige Stickereien, Jacquards und tonige Oberflächen. Stoffe wie »ARABESCO« zeigen, wie historische Referenzen auch in klareren, reduzierten Interiors funktionieren können, ohne an Ausdruck einzubüßen.

Die Moderne wird neu gewebt

Historische Stoffe müssen nicht zwangsläufig floral oder klassisch sein. Auch die textile Moderne gewinnt wieder an Präsenz. Dedar hat gemeinsam mit der Josef and Anni Albers Foundation fünf ikonische Stoffe von Anni Albers reproduziert und mit heutigen Techniken neu interpretiert. Damit erweitert sich der Blick auf das Thema deutlich: Nicht nur Muster, auch Raster, Gewebe, Rhythmus und Oberfläche können historische Tiefe in einen Raum bringen.

Traditionelle Produktion überzeugt

Am überzeugendsten ist historische Stoffkultur dort, wo nicht nur das Muster erhalten bleibt, sondern auch das handwerkliche Wissen. Fortuny steht exemplarisch für diesen Zugang. Das Haus arbeitet weiterhin von seiner historischen Produktionsstätte aus und führt die über Generationen entwickelten Verfahren fort. Die Verbindung aus Handwerk, Material und Zeit verleiht diesen Stoffen genau jene Qualität, nach der man heute wieder sucht.

Was ihre neue Wirkung ausmacht

Historische Stoffe kehren nicht als dekorative Erinnerung zurück, sondern als Gegenbewegung zu allzu glatten Räumen. Sie bringen Muster, Textur, Gedächtnis und eine andere Form von Wärme ins Interior. Das macht sie derzeit so relevant: Sie schaffen Räume, die reicher, persönlicher und kulturell aufgeladener erscheinen.

Dass historische Muster derzeit weit über textile Anwendungen hinausreichen, zeigt auch der Beitrag »Historische Muster und Tapeten: Der Stoff aus dem Träume sind« mit starken Beispielen aus den Archiven großer Luxusmarken.

Sebastian Krebitz
Sebastian Krebitz
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