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© Müller Möbelwerkstätten GmbH

Smartes Design für Platzsparer

Interior Design
Produktdesign

Wohnen wird kompakter, aber keineswegs kleiner gedacht. Vom legendären Stapelbett bis zu transformierbaren Hightech-Möbeln zeigen neue Designkonzepte, wie sich Raum vervielfachen lässt – mit Witz, Präzision und erstaunlicher Eleganz.

Es beginnt mit einem Möbel, das sich stapeln lässt. Und mit einer Idee, die erstaunlich früh auf den Punkt brachte, was uns heute wieder beschäftigt. Die Stapelliege von Rolf Heide, dem legendären deutschen Innenarchitekten und Designer, feiert ihr 60-jähriges Jubiläum. 1966 entworfen, markierte sie einen Wendepunkt im Möbeldesign: weg von statischen Lösungen, hin zu einem Denken in Varianten. Denn Heide löste damals ein Problem, das derzeit wieder aktuell ist: Wie lässt sich auf begrenzter Fläche flexibel leben, ohne sich festzulegen oder auf ansprechendes Design zu verzichten? Seine Antwort war ebenso einfach wie präzise. Mehrere Betten werden übereinandergestapelt, nebeneinandergestellt oder zum Sofa ergänzt. Ein System, das sich erweitern und bis heute neu kombinieren lässt.

»Das Revolutionäre war damals die praktische Seite der Stapelliege, aber auch ihr Aussehen: die bestimmte Form, die man nicht vergisst, die aber irgendwie auch plausibel ist. Was sie verfolgt, ist keine Kosmetik, sondern Logik«, sagte Rolf Heide einst in einem Interview. Diese Logik ist bis ins Detail durchdacht. Die geschwungenen Seitenteile verhindern ein Verrutschen beim Stapeln, die Konstruktion erlaubt Transport, Umbau und jahrzehntelange Nutzung.

Die Hochstapler-Ikone. Die legendäre Stapelliege von Rolf Heide feiert ihr 60-jähriges Jubiläum.

muellermoebel.de

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»Revolutionär war ihre praktische Seite, aber auch ihr Aussehen. Was sie verfolgt, ist keine Kosmetik, sondern Logik.«

Rolf Heide Möbeldesigner und Innenarchitekt

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Meister der Transformation

Sechzig Jahre später hat sich dieses Prinzip ausdifferenziert. Verstädterung der Gesellschaft und der begrenzte Raum zwingen uns, kreative Lösungen zu finden. Viele Menschen nehmen kleinere Stadtwohnungen in Kauf, wollen aber ihr Wohnumfeld mit neuesten Technologien und Designs bereichern. Hier kommt Smart Living ins Spiel. Der Raum wird nicht mehr nur organisiert, sondern aktiv bespielt. Bei Clei etwa entstehen daraus integrierte Systeme, in denen sich Funktionen überlagern. Ein Schrank verwandelt sich in ein Bett, ohne dass das Sofa davor abgeräumt werden muss. Elemente greifen ineinander, Bewegungsabläufe sind choreografiert. »Es geht darum, Raum anders zu interpretieren«, erklären Barbara und Luca Colombo, Geschäftsführer des italienischen Herstellers. »Was bis vor Kurzem noch ungewöhnlich, fast unvorstellbar schien, ist Realität geworden.«

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Raumwunder mit Stil. Mit »Making Room« und seinen Transformation-Furniture-Konzepten hat Clei ein flexibles Gesamtsystem entwickelt, das multifunktionale und wandelbare Lösungen intelligent verbindet.

clei.it

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Auch Resource Furniture treibt diesen Ansatz weiter. Höhenverstellbare Tische, die vom Couch- zum Esstisch wachsen, drehbare Module, die Wandflächen in Arbeitsplätze verwandeln, maßgefertigte Einbauten mit integrierten Licht- und Stauraumlösungen. Hier wird jeder Zentimeter genutzt, ohne dass der Raum überladen wirkt.

Während diese Systeme auf Transformation setzen, arbeiten andere mit Verdichtung. Nils Holger Moormann nutzt den Raum in der dritten Dimension. Sein »Kammerspiel«, ein multifunktionales, raumbildendes Möbelmodul für Mikro-Apartments, organisiert Funktionen übereinander, ganz im Sinne eines »innovativen Hochstapelns«: Schlafen im Hochparterre, darunter Küche oder Stauraum, außen Regale und Ablagen. »Mich interessiert nicht die spektakuläre Form, sondern das Besondere im Alltäglichen«, beschreibt der Designer seinen Zugang. Ein Prinzip, das sich auch im »Bookinist« zeigt, einem Lese­sessel, der zugleich Bibliothek ist, Stauraum integriert und mobil bleibt. Bei Müller Small Living wird diese Haltung technisch geschärft. Der von Michael Hilgers entwickelte »Flatmate« reduziert den Arbeitsplatz auf ein Minimum und integriert gleichzeitig alles Notwendige: Beleuchtung, Stromanschlüsse, Stauraum. Im geschlossenen Zustand kaum sichtbar, im geöffneten ein vollwertiger Schreibtisch. Hilgers spricht von »pragmatic design«, einem Ansatz, der nicht von Form, sondern vom Problem ausgeht.

© Resource Furniture
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Verwandlung mit Funktion. Der »Soleil« des New Yorker Möbelspezialisten mutiert stufenlos vom Couch- zum Esstisch und lässt sich auch noch ausziehen.

resourcefurniture.com

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Leselust auf Rädern. Der »Bookinist« von Nils Holger Moormann vereint Sessel, Bibliothek und Lichtquelle.

moormann.de

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Dass sich diese Denkweise längst auf ganze Wohnkonzepte überträgt, zeigen Projekte wie jene von BLOM Interiors. Hier wird der Grundriss neu gedacht: Ein kompakter »Wohnkern« bündelt Funktionen wie Küche, Bad und Stauraum, während der restliche Raum flexibel bleibt. Betten verschwinden im Handumdrehen, Nutzungen wechseln je nach Tageszeit. Ergänzt wird dies durch Möbel, die nicht nur mehrere Funktionen erfüllen, sondern Lebensphasen begleiten. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch, der sich zum Wickelplatz erweitern lässt und später wieder zum Arbeitsplatz wird, ist ein gutes Beispiel. Statt kurzfristiger Lösungen entstehen langlebige Systeme, auch im Sinne der Nachhaltigkeit. All diese Ansätze verbinden zwei Gedanken: Raum wird nicht größer, aber seine Nutzung präziser und intelligenter. Funktionen werden nicht addiert, sondern smart kombiniert. Aus der Idee der ikonischen Stapelliege hat sich eine komplexe Design-Disziplin entwickelt, in der Gestaltung, Technik und Alltag ineinandergreifen. Oder anders gesagt: Nicht die Fläche wächst, sondern die Qualität, mit der wir sie nutzen.

Mehr Raum im Raum. Wo Raum knapp ist, braucht es smarte Lösungen. Durch die Nutzung mehrerer Ebenen und verschiebbarer Wände wird zusätzlicher Platz geschaffen.

blominteriors.com

© Blom Interiors

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 3/2026

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Susanna Pikhart
Autor
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