Wiener Geflecht 2.0: 5 neue Interpretationen eines Klassikers
Diese fünf aktuellen Stücke zeigen, wie Wiener Geflecht als Materialidee und als Muster in der Gegenwart weiterlebt.
Das »Wiener Geflecht« kehrt zurück, allerdings nicht als bloße Wiederholung des Bekannten. Im aktuellen Möbeldesign taucht die Ikone in größeren Rastern, geflochtenem Leder, handgezogener Kordel oder lichtdurchlässigen Strukturen wieder auf. Der historische Gedanke bleibt erkennbar, doch die Formensprache hat sich weiterentwickelt. Aus dem klassischen Geflecht wird eine zeitgemäße Interpretation von Leichtigkeit, Rhythmus und Offenheit.
1. »Torii Nest Outdoor Dining«, Minotti
Am deutlichsten tritt die Referenz bei Minotti hervor. Die Rückenstruktur der »Torii Nest Outdoor Dining« greift das Motiv des Wiener Geflechts auf, übersetzt es jedoch in ein größeres, luftigeres Raster. Dadurch verliert das Thema jede Spur von Nostalgie und gewinnt an architektonischer Klarheit. Das historische Vorbild bleibt präsent, erscheint hier aber offener, großzügiger und auf den Außenraum hin weitergedacht.
2. »Mad Out«, Poliform
Bei Poliform wird das Thema weicher und eleganter verhandelt. Der Armchair »Mad Out« arbeitet nicht mit klassischem Rohrgeflecht, sondern mit einer handgeflochtenen Rope-Rückenlehne, die dem Stück Leichtigkeit und Tiefe verleiht. Das Ergebnis ist sommerlich, entspannt und präzise im Ausdruck. Darin zeigt sich eine der spannendsten Entwicklungen des Trends: Nicht das Muster selbst steht im Vordergrund, sondern die Frage, wie Transparenz und Flechtung in eine neue Materialität überführt werden können.
3. »Wabi«, Rimadesio
Rimadesio nähert sich dem Thema mit größerer Zurückhaltung. Der »Wabi«-Stuhl verbindet einen klaren Holzrahmen mit einer Sitzfläche in gewebter Kordel oder Leder und setzt damit auf Ruhe statt auf Effekt. Das Geflecht erscheint hier als konstruktives Element, das dem Stuhl seine Leichtigkeit gibt. Diese Reduktion macht das Modell besonders interessant. Es zeigt, wie subtil sich das Erbe des Wiener Geflechts heute fortschreiben lässt, ohne in bloße Anspielung zu kippen.
4. »Shinzo Hybrid Lounge Chair«, Walter Knoll
Walter Knoll liest das Thema großzügiger und stärker aus der Perspektive des Lounge-Möbels. Der »Shinzo Hybrid Lounge Chair« spannt ein geflochtenes Kordelbild über einen präzisen Rahmen und entwickelt daraus eine Struktur, die zwischen Dichte und Offenheit vermittelt. Im Sitz und Rücken entsteht so eine Spannung, die dem Möbel Körper gibt, ohne Schwere aufzubauen.
5. »Padel Sleeve«, Chris Bader Manufaktur
Besonders spannend wird der Trend dort, wo er den klassischen Möbelkontext verlässt. Bei Chris Bader Manufaktur erscheint Wiener Geflecht als prägnanter Einsatz einer Padel-Hülle aus Leder und rückt damit in ein Feld, in dem man diese Struktur kaum erwarten würde. Der Kontrast aus sportlichem Accessoire, feinem Leder und dem vertrauten Flechtmotiv verleiht dem Stück Charakter und Leichtigkeit zugleich.
Anmerkung: Das Modell ist ab nächster Woche im Online Shop von Chris Bader Manufaktur erhältlich.
Warum Wiener Geflecht heute wieder relevant ist
Wiener Geflecht steht für Möbel und Objekte, die Leichtigkeit ausstrahlen, ohne an Wirkung zu verlieren, und für Oberflächen, die Struktur sichtbar machen, ohne Räume zu beschweren. In einer Designstimmung, die wieder stärker auf Taktilität, Offenheit und handwerkliche Präzision setzt, erscheint diese Ikone nicht als Echo der Vergangenheit, sondern als stimmige Antwort auf die Gegenwart.