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© Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com

»ZOLAND·Emei«: Vom verlassenen Bau zum stillen Berghotel

Hotel
Architektur
China
Reisetipps

Am chinesischen Emei-Gebirge verwandelt Studio J. Bridgland eine Gruppe verfallener Bauten in ein zurückgezogenes Resort, das sich eng an den Hang und den gewachsenen Wald anschmiegt.

ZOLAND·Emei
Emeishan City, China © Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com

Zwischen den dicht bewaldeten Hängen von Emeishan liegt ein Hotel, das sich erst nach und nach zu erkennen gibt. »ZOLAND·Emei« verteilt sich über ein steiles Grundstück und wirkt weniger wie ein klassischer Hotelkomplex als wie eine kleine, über Jahre gewachsene Siedlung. Einzelne Häuser treten zwischen Baumkronen hervor, verschwinden hinter Geländekanten und öffnen sich immer wieder zur Landschaft.

Studio J. Bridgland entwickelte das 2025 fertiggestellte Resort aus einer Gruppe baufälliger Bestandsgebäude. Auf einer Fläche von rund 2.900 Quadratmetern entstand ein Rückzugsort, dessen Architektur nicht über dem Gelände steht, sondern dessen Verlauf aufnimmt.

Bauen mit dem Hang

ZOLAND·Emei Emeishan City, China © Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com
ZOLAND·Emei Emeishan City, China © Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com

Die Baukörper folgen der Topografie in versetzten Ebenen. Ihre Anordnung erinnert an traditionelle Häuser, die sich entlang chinesischer Berghänge entwickelt haben. Geneigte Dächer und weit auskragende Traufen greifen regionale Bauweisen auf, ohne historische Formen zu reproduzieren. Statt einer zentralen Großform prägt eine Abfolge aus Wegen, Höfen und kleineren Häusern das Resort. Die Bewegung durch die Anlage wird damit Teil des Aufenthalts. Hinter einer Mauer öffnet sich der Blick auf den Wald, wenig später führt ein schmaler Weg zwischen den Gebäuden weiter nach oben. Architektur und Landschaft lassen sich dabei kaum voneinander trennen.

Ein Baum als Mittelpunkt

ZOLAND·Emei Emeishan City, China © Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com
ZOLAND·Emei Emeishan City, China © Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com

Im Zentrum des Resorts steht ein alter Zhennan-Baum, der als ältester und höchster Baum des Tals gilt. Ein flaches Wasserbecken umschließt seinen Stamm und spiegelt die umliegenden Baumkronen. Der Innenhof bildet den gemeinschaftlichen Mittelpunkt der Anlage, bleibt jedoch zum Bergpanorama geöffnet. Nicht das Gebäude, sondern der vorhandene Baum bestimmt hier den Raum. Das Hotel ordnet sich ihm unter und entwickelt seine Wege und Blickrichtungen um ihn herum.

Schon am Eingang wird klar, wie stark das Projekt über seine Materialien arbeitet.Handbearbeiteter Strukturbeton prägt die Fassaden mit einer rauen, leicht unregelmäßigen Oberfläche, die mit den Jahren weiter nachdunkeln und in die Umgebung hineinwachsen soll.

Räume mit Blick in den Wald

ZOLAND·Emei Emeishan City, China © Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com
ZOLAND·Emei Emeishan City, China © Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com

Großflächige Verglasungen holen die Vegetation tief in die Innenräume. In einem der Rückzugsbereiche reicht die Glasfront nahezu über die gesamte Wand. Die Gestaltung tritt in den Hintergrund, während Äste, Blätter und wechselndes Tageslicht den Raum prägen. Auch das Restaurant richtet sich konsequent auf die Umgebung aus. Traditionelle graue Dachziegel aus Leshan treffen auf eine Konstruktion aus Zedernholz. An den Wänden kommt Schiefer vom Emei-Berg zum Einsatz. Seine unregelmäßige Schichtung bleibt sichtbar und verleiht dem Raum eine felsartige Struktur.

Das Interieur führt diese Materialwelt weiter. Holz und Naturstein bestimmen viele Bereiche, ergänzt durch dunklere Oberflächen und bewusst platzierte Möbel. Große Fenster unterbrechen die massiven Wände und rahmen einzelne Ausschnitte der Landschaft.

Farbe aus dem Gestein

ZOLAND·Emei Emeishan City, China © Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com

ZOLAND·Emei Emeishan City, China © Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com
ZOLAND·Emei Emeishan City, China © Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com

In den Badezimmern sorgt tiefroter Naturstein für einen kräftigen Akzent. Er verkleidet Wände und Einbauten, während freistehende Wannen direkt vor den Fenstern stehen. Das dunkle Rot setzt sich deutlich vom Grün des Waldes ab, wirkt durch seine natürliche Maserung jedoch nicht wie ein Fremdkörper. Mehrere Badebereiche reichen bis ins Freie. Dort folgen Becken aus gewaschenem Stein und grünem Granit dem Verlauf des Geländes. Niedrige Einfassungen lassen die Wasserflächen optisch mit dem Blick über die Berge verschmelzen.

Suiten unter einem grünen Dach

ZOLAND·Emei Emeishan City, China © Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com
ZOLAND·Emei Emeishan City, China © Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com

Am höchsten Punkt des Grundstücks verschwindet ein Teil des Hotels beinahe vollständig im Hang. Die Suiten liegen unter einer angehobenen, begrünten Fläche und sind von den tiefer gelegenen Bereichen kaum zu erkennen. Erst die großen Fensterfronten verraten, dass sich unter der Landschaft Gästezimmer befinden. Von innen öffnen sie den Blick weit über das Bergpanorama. Die Architektur wird zum Rahmen, während der Wald und die wechselnden Wetterstimmungen den Aufenthalt bestimmen.

Ein Hotel für langsamere Tage

ZOLAND·Emei Emeishan City, China © Jonathan Leijonhufvud@AGENT PAY; Source: v2com

Studio J. Bridgland beschreibt das Konzept mit dem Begriff »slow time«. Gemeint ist ein Aufenthalt, der weniger von programmierter Unterhaltung als von der Wahrnehmung des Ortes geprägt wird. Wege dauern länger, Ausblicke verändern sich und die Grenzen zwischen Innenraum und Natur bleiben durchlässig. Der Entwurf basiert auf der Auseinandersetzung mit dem Bestand und den regional verfügbaren Materialien. Anstelle eines vollständigen Neubeginns wurden vorhandene Strukturen weitergeführt und neu in die Landschaft eingebunden.

»ZOLAND·Emei« verschwindet nicht vollständig im Wald. Doch das Hotel nimmt sich weit genug zurück, damit die Vegetation den Maßstab vorgibt. Die Landschaft dient hier nicht nur als Kulisse. Sie bestimmt, wie sich das Resort erschließt und wie seine Räume erlebt werden.

Sebastian Krebitz
Sebastian Krebitz
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