Zwischen Lounge und Lavendel: Traumterrassen
Die ideale Terrasse entsteht nicht zufällig zwischen Sonnenschirm, Pflanzgefäßen und Loungesofa. Erst das Zusammenspiel aus Architektur, Materialien, Licht, Begrünung und Atmosphäre macht aus Außenflächen echte Lieblingsplätze.
Oft ist es eine Illusion. Hübsche Loungemöbel, zwei Olivenbäume im Topf, eine Lichterkette, ein Outdoor-Teppich – fertig ist die Traumterrasse. Die Wahrheit ist: Gelungen gestaltete Terrassen wirken zwar leicht und selbstverständlich, entstehen aber selten spontan. Sie sind durchdachte Lebensräume unter freiem Himmel. »Eine Terrasse betrachten wir nie als isoliertes Element, sondern als konsequente Erweiterung des Wohnraums nach außen«, erklärt Sophie Pfeffer vom Wiener Architekturstudio Destilat. Entscheidend sei das Zusammenspiel von Architektur, Landschaft, Materialien und Nutzung. »Eine gute Terrasse fühlt sich nicht angebaut an. Sie ist Teil eines ganzheitlichen Wohnkonzepts.«
Tatsächlich liegt genau dort einer der häufigsten Denkfehler: Viele planen zuerst Möbel oder Pflanzen, bevor überhaupt klar ist, wie die Terrasse genutzt werden soll. Manfred Hogl, Gartenplaner bei Starkl, erlebt das regelmäßig: »Es ist sinnvoll, zunächst Licht, Wind, Ausrichtung und Bewegungsabläufe zu analysieren. Soll die Terrasse Rückzugsort sein oder Treffpunkt? Frühstücksplatz oder private Entspannungsoase in Richtung Outdoorwohnzimmer?« »Die Terrasse sollte zum Haus und zu den Menschen passen, die sie nutzen. Der Trend geht zu natürlichen Terrassen mit langlebigen Materialien und Pflanzen, die nicht künstlich wirken«, so Hogl.
Effektvolle Pflanzen
Dass Terrassen heute fast denselben Komfortanspruch erfüllen sollen wie Innenräume, beobachtet auch der mehrfach ausgezeichnete Gartendesigner Jochen Gempp: »Gleichzeitig sind Terrassen aber wesentlich anspruchsvoller als Wohnräume. Sonne, Regen, Frost, Wind und Hitze wirken permanent auf Materialien, Pflanzen und Möbel ein.« Gerade Dachterrassen entwickeln sich schnell zu kleinen Extremklimazonen. »Man setzt verstärkt auf winterharte Bepflanzungen sowie langlebige Materialien und hochwertige Outdoormöbel«, stellt Thomas Nentwich von Nentwich Gartenbau fest. Besonders wichtig sei die Wirkung der Pflanzen über alle Jahreszeiten hinweg. Und: »Wenn man eine Terrasse betritt, muss man die Idee dahinter sehen.«
Diese Idee beginnt oft am Boden. Naturstein etwa erlebt in der Terrassengestaltung gerade eine Renaissance, weil er langlebig und atmosphärisch ist. »Vor allem helle Kalksteine oder Travertin schaffen ein wohltuendes Lebensgefühl und bleiben selbst an heißen Tagen angenehm begehbar«, erklärt Georg Leeb von Stone4you. Pflanzen übernehmen heute mehr Aufgaben als bloße Dekoration. Sie kühlen, beschatten und gliedern Räume. »Mit der richtigen Bepflanzung kommen Duft und das Erleben der Jahreszeiten mit dazu«, sagt Gempp. Besonders beliebt seien lockere Gräserpflanzungen, mehrstämmige Gehölze oder großzügige Trogbepflanzungen.
Duft trifft Design
Lavendelbänder und locker gesetzte Gräser strukturieren die Terrasse rund um Lounge und Spa. Dahinter liegt, dezent abgeschirmt, der Outdoor-Essplatz.
Foto beigestellt»Viele möchten nicht nur schöne Pflanzen, sondern auch etwas Essbares direkt vor der Tür«, beobachtet Hogl. Sehr schön machen sich auf Terrassen »duftende Stauden wie Calamintha, hitzeverträgliche Rispenhortensien, Gräser wie Stipa oder Segge, Ahorn oder Blumenhartriegel als Solitärpflanze und Glanzmispel oder Ölweide als immergrüne Hecke oder Formgehölz«. Der häufigste Fehler? »Wenn ohne klare Vorstellung Möbel und Elemente angeschafft werden«, erklärt Gempp. Das Ergebnis sei oft »ein wildes Potpourri«. Eleganter wirke reduzierte Gestaltung mit wenigen hochwertigen Elementen, großzügigen Gefäßen und definierten Zonen. Dem pflichtet auch Lukas Kornberger von Bruchmann Exteriors bei: »Die Einbindung der Umgebung sowie das Achten auf richtige Proportionen sind in der Gestaltung sehr wichtige Punkte, die Erfahrung benötigen.«
Freiraum mit Struktur
Die Anbindung an das Wohnhaus, Blickachsen in den Garten, Naturmaterialien und Beschattung spielen eine zentrale Rolle in der Gestaltung.
Foto beigestelltNicht zuletzt wird Stauraum oft vergessen. »Muss ich jeden Abend die Kissen ins Haus tragen, wird die Nutzung eher zur Belastung«, analysiert Gempp trocken. Apropos Belastung: Bei Dachterrassen sei sich kaum jemand bewusst, »dass selbst durchschnittlich große Gefäße, wenn sie befüllt sind, über 500 Kilogramm schwer sind«. Die Nutzlast liegt jedoch bei knapp 250 Kilogramm pro Quadratmeter. Und dann wäre da noch das Licht. Tagsüber oft Nebensache, entscheidet es am Abend darüber, ob eine Terrasse kühl oder wie ein kleiner Urlaubsort mitten im Alltag wirkt.