»Ryanair«-CEO Eddie Wilson © Ryanair
Abflug: »Ryanair« streicht seinen Flugbetrieb in Deutschland drastisch zusammen
Die Billigfluglinie stellt alle Flüge nach Dortmund, Dresden und Leipzig ein und reduziert jene in Hamburg um 60 Prozent. Schuld daran hat – laut »Ryanair« – die deutsche Ampelregierung.
von Alexander Schöpf
10. Oktober 2024
»Ryanair« hat heute, Donnerstag, bekanntgegeben, dass sie ihr deutsches Flugangebot für den Sommer 2025 drastisch kürzt. Der größte europäische Billigflieger wird seine Standorte in Dortmund, Dresden und Leipzig schließen und das Angebot in Hamburg um 60 Prozent reduzieren, wodurch insgesamt 22 Strecken und 1,8 Millionen Sitzplätze für den Sommer 2025 wegfallen. Als Grund nennt »Ryanair« das »anhaltende Versäumnis der deutschen Regierung«, die Luftverkehrssteuer, Sicherheits- und Flugsicherungsgebühren zu senken. Bereits Ende August hatte die irische Airline angekündigt, im Sommer 2025 ein Fünftel seines Flugangebots in Berlin zu streichen.
Höchste Flugpreise Europas
»Deutschland hat erst 82 Prozent seines Verkehrsaufkommens von vor Covid wieder erreicht, was es zum bei weitem am schlechtesten abschneidenden Luftverkehrsmarkt in Europa macht, kritisiert »Ryanair«-CEO Eddie Wilson. Deutsche Bürger sähen sich jetzt mit den höchsten Flugpreisen in Europa konfrontiert, nachdem die »Lufthansa« mit sechs Milliarden Euro gerettet wurde. Diese Leistung Deutschlands stehe in starkem Gegensatz zu anderen EU-Staaten wie Schweden, Italien, Ungarn und Polen, die die Zugangskosten senken, um die Erholung und das Wachstum des Luftverkehrs nach Covid zu fördern, legt man bei der Airline den Finger in die Wunde.
»Ryanair« haben einen 7-Jahres-Wachstumsplan für Deutschland präsentiert, um das Verkehrsaufkommen von 16 Millionen auf 34 Millionen zu verdoppeln, verrät Wilson: »Aber es gab keine Rückmeldung von der Bundes- oder den Landesregierungen. Die Weigerung, das Wachstum an deutschen Flughäfen zu fördern, ist kurzsichtig, da ›Ryanair‹ bereit ist, in Deutschland erheblich zu wachsen, doch die steigende Luftverkehrssteuer, Sicherheits- und Flugsicherungsgebühren führen dazu, dass diese Kapazitäten in andere EU-Staaten abwandern. Nur niedrigere Kosten werden es Deutschland ermöglichen, sein Verkehrsaufkommen von vor Covid wiederherzustellen, und Minister Wissing muss jetzt handeln, sonst werden deutsche Bürger weiterhin die höchsten Flugpreise zahlen, im am schlechtesten erholten Luftverkehrsmarkt in Europa.« Konkret solle die deutsche Regierung die Luftverkehrssteuer abschaffen, die Flugsicherungsgebühren senken und die 50-prozentige Erhöhung der Obergrenze für Sicherheitsgebühren – die ab Januar 2025 in Kraft tritt – verschieben, um weitere Kürzungen im Sommer 2025 zu vermeiden.
»Irgendwann ist das Fass einfach voll«
Bei der »Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen« (ADV) kann man die Entscheidung von »Ryanair« nachvollziehen. »Der Schritt von ›Ryanair‹ steht exemplarisch für viele weitere europäische Airlines, die ebenfalls einen Abzug von Flugzeugen prüfen und den deutschen Flughäfen wegen der hohen staatlichen Abgaben und Belastungen den Rücken kehren könnten«, so die erste Reaktion des ADV-Hauptgeschäftsführers Ralph Beisel. Der Luftverkehrsstandort Deutschland falle unter das Niveau des Jahres 2013 zurück. Laut ADV gibt es kein Nachfrage-, sondern ein »klares Angebotsproblem«. Airlines würden aufgrund von Wettbewerbsverzerrungen deutsche Flughäfen meiden. »Die staatlich bedingten Standortkosten steigen im europäischen Wettbewerb ungebremst«, klagt die ADV an. In den vergangenen Jahren sei nicht nur die Luftverkehrsteuer mehrfach erhöht worden, sondern auch die Abgaben für die Passagier- und Gepäckkontrollen – die sogenannte Luftsicherheitsgebühr – signifikant gestiegen.
»Irgendwann ist das Fass einfach voll und Airlines verabschieden sich vom deutschen Markt. Eine Wettbewerbsgleichheit mit den europäischen Flughafenstandorten kann nur durch eine signifikante Reduzierung der staatlichen Belastungen gelingen. Der Negativspirale muss endlich ein Ende gesetzt werden. Im ersten Schritt sollte die Bundesregierung dem Beispiel von Schweden folgen und die Luftverkehrsteuer abschaffen«, fordert Beisel. Eine öffentliche Reaktion von Verkehrsminister Wissing zur Causa steht bislang aus.
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