Cortis Heimatliebe: Jetzt Matjes essen!

Severin Corti, 24.07.2024

Wer in alten Kochbüchern nachliest, erkennt: Wildfang aus dem Meer hat auch bei uns im Binnenland jahrhundertelange Tradition – und speziell natürlich solcher, der schon auf hoher See für längeren Transport fit gemacht wird. Die Rede ist natürlich vom Matjes, der dieser Tage ganz frisch aus dem Fass kommt.

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Am 19. Juni wurde in ­Holland die diesjährige Matjessaison eingeläutet, als im Hafen von Scheveningen das erste Fass frisch in Salz eingelegter und mittels Enzymen aus der Bauchspeicheldrüse fermentierter, gerade noch jungfräulicher und ergo besonders fett­reicher Heringe aus der Nordsee versteigert wurde. Der eingesalzene Fisch ist von alters her dafür gemacht, auch über weite Strecken, selbst in alpine Gefilde, transportiert zu werden, und gehört deshalb – ähnlich wie der Stockfisch – zu jenen Meeresfischen, die auch in Binnengebieten zur kulinarischen Tradition zählen. Und zwar nicht von ungefähr: Der frisch aus dem Fass gefischte, vor dem Gast ­gerissene (und so seines Rückgrats samt Gräten entledigte) Fisch vermag nämlich auf eine Art Meeresfrische zu vermitteln, wie das dem Binnenbewohner sonst lange verwehrt geblieben ist. Dass der Fettfisch vor ­Omega 3 und anderen Lebensverschönerern nur so strotzt, schmeckt man mit jedem Bissen, auch umwelttechnisch ist nicht wirklich relevant, was unsereins Alpinlandler den Thunfischen, Delfinen und sonstigen Killerwalen im Lauf der ­kurzen Saison wegfrisst. Es gibt also echt keinen Grund, sich die Vitamin-E-Speicher jetzt nicht dick anzulegen!

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