Gemischter Satz: Wilde Mischung

Peter Moser, 11.06.2019

Im Fahrwasser des höchst erfolgreichen Modells des Wiener Gemischten Satzes DAC erlebt dieser eine Renaissance.

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Zu Beginn dieser aktuellen Bestandsaufnahme bedarf es einer Abklärung des Begriffs »Gemischter Satz«, denn dieser hat verschiedene Bedeutungen. Am Anfang steht der Weingarten selbst. Heute ist es in Österreich allgemein üblich, in einem Weingarten reinsortig auszupflanzen, dass heißt in einer klar begrenzten Parzelle wächst eine einzige Rebsorte. Das macht es dem Winzer leichter, diesen Rebberg zu pflegen und auf die speziellen Bedürfnisse einer Sorte exakt einzugehen. Denn aufgrund ihrer spezifischen Unterschiede verlangen alle Reb-arten ihre maßgeschneiderte Behandlung vom speziellen Schnitt bis zur Wahl des Lesezeitpunkts. Doch das war nicht immer so: Bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein waren sämtliche Weingärten mit einer mehr oder weniger bunten Mischung von Sorten bepflanzt, die in der damals üblichen Pfahlerziehung bewirtschaftet wurden. Meist standen mehr als 10.000 Reben auf einem Hektar, und diese lebten in friedlicher Koexistenz, die man den Gemischten Satz nannte. Im Laufe der Jahrhunderte hatten sich stets regionale Weinsorten als besonders geeignet herausgestellt, die dann von den Winzern verstärkt vermehrt wurden. Das konnte unter besonderen Bedingungen sogar dazu führen, dass in es in gewissen Regionen schon früh zur Ausbildung von Leitsorten kam. Ein gutes Beispiel ist die Dominanz des Rieslings im Rheingau, für dessen Aufkommen auch die spezielle Struktur des Weinbaus in der Hand von großen aristokratischen Domänen ausschlaggebend war. In Österreich wurde der Weinbau in kleinen Einheiten betrieben, eine Vielzahl an Winzern bewirtschaftete überschaubare Flächen und war bis zur Grundentlastung 1849 noch abgabepflichtig. Und da stand der Faktor Ertragssicherheit an erster Stelle. Wollte man diesbezüglich auf Nummer sicher gehen, dann war der Gemischte Satz erstes Gebot. Pflanzte man frühreife Rebsorten neben spätreifenden, säurearme neben säurereichen, neutrale neben Bukettsorten, dann konnte man am Ende des Jahres höchstwahrscheinlich ein gewisses Quantum an Wein ernten. Verließ man sich auf eine einzige Sorte, so war man in vielen Jahren am Ende oft der Dumme. Daher waren sortenreine Auspflanzungen, um deren Vorteile man in Bezug auf die Weinqualität sehr wohl wusste, sehr lange die große Ausnahme von der Regel, denn sie setzten auch eine wirtschaftliche Unabhängigkeit des Grundbesitzers voraus. Erst mit dem Entstehen von Musterweingütern wie jenem von Erzherzog Johann in der Steiermark und den ersten Weinbauschulen wurden Voraussetzungen geschaffen, die das Blatt wendeten.

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