Garnelenzucht muss nicht in dubiosen Farmen in Südostasien erfolgen, es geht auch unter kontrollierten Bedingungen in den Alpen.

Heimische Fischzucht: Gebirgsgarnelen & »Gemüsefische«

Bernhard Degen, 28.11.2018

94 Prozent des Fischbedarfs werden importiert: Spannende Projekte wie alpine Garnelenzuchten, Branzino aus der Steiermark oder Wiener Wels wollen nun die Binnenproduktion ankurbeln.

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Im Wiener Stadtteil Essling gibt es eine Fischzucht, bei der neben Barschen und Welsen auch Ochsenherz-Tomaten, Mini-Spitzpaprika und Daredevil-Chilis kultiviert werden. Essling liegt am östlichen Stadtrand von Wien und ist vor allem für Gemüseanbau bekannt, im angrenzenden Marchfeld lebt man hauptsächlich von Spargelanbau. Eine Fischzucht würde man hier nicht vermuten, zumindest nicht seit der Regulierung der Donau im 19. Jahrhundert. Dass sich das nun geändert hat, hängt mit der bundesweiten Ernährungssituation zusammen: 94 Prozent des (wachsenden) österreichischen Fischbedarfs müssen importiert werden. Weltweit gilt laut WWF ein Drittel der Fischbestände bereits als überfischt, und ein weiteres Drittel ist bereits an der Belastungsgrenze. Das Nachhaltigkeits­bewusstsein in der Gastronomie ist ebenso gestiegen wie die Nachfrage nach regional produzierten Lebensmitteln mit kurzen Transportwegen. Seit Jahren werden daher Fische und Meeresfrüchte in Binnenländern produziert, die man früher ausschließlich über internationale Fischerei bezog. Welch katastrophale Auswirkungen Überfischung haben kann, das hat die Welt am Beispiel der nahezu ausgerotteten Störe gesehen. Die Gier nach kostbarem Kaviar hatte zur Folge, dass eine Spezies nahezu ausgelöscht wurde und alle relevanten Arten 1998 unter strengen Schutz gestellt werden mussten. Störkaviar aus Wildfang ist vom Weltmarkt verschwunden. Pionier für die extrem schwierige Binnenzucht von Stören zur Kaviarproduktion ist der Salzburger Walter Grüll, dem sogar sensationelle Zuchterfolge mit Albino-Stören gelungen sind. Mittlerweile hat sich das Geschäft in Österreich etabliert und mit »Alpenkaviar« aus Oberösterreich, »1. Wiener Stör-Kaviar« von Jan Klecka und einigen anderen gibt es schon mehrere erfolgreiche Beispiele.

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