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Der Completer geniesst einen Ruf wie Donnerhall. Dabei müsste der Wein eher als Gerücht gelten: Seine Anbaufläche zwischen Chur und Fläsch beträgt gerade mal 3,8 Hektaren. Vielleicht hängt der Ruhm mit dem eigentümlichen Namen zusammen. Oder mit seiner Geschichte, die weit ins Mittelalter zurückreicht. Sicher aber mit seinem einzigartigen Geschmacksprofil zwischen Opulenz und Eleganz, das ihn wie einen Findling in die Schweizer Weinlandschaft setzt. Wer mehr über die geheimnisumwitterte Sorte und ihren gewaltigen Wein erfahren will, ist bei Giani Boner in Malans an der richtigen Adresse. Boner, ein zurückhaltender, sympathischer Winzer mit Meisterausbildung, erzeugt einen Completer von beeindruckender Alterungsfähigkeit. Er führt uns in die Completerhalde, wo in Terrassen die Trauben für den kantig-herben, säurebetonten Wein wachsen. Die warme Lage südöstlich des Dorfs wird von Mauern geschützt. Hier sollen die Mönche vor über tausend Jahren die Reben gepflanzt haben. Hier hat der Wein überlebt, der den Chorherren des Churer Stifts nach dem Abendgebet, dem Completorium, als Schlummertrunk kredenzt wurde. Die 33 Aren grosse Anlage gehört Gaudenz von Salis von Schloss Bothmar. 1991 mussten die teilweisen uralten Rebstöcke wegen Altersschwäche ersetzt werden. Sie waren noch wurzelecht, nicht auf reblausresistente Unterlagen gepfropft. Giani Boner liess sich von der Rebschule Meier in Würenlingen aus altem Holz neue Setzlinge zweien, wiederum ohne sie auf eine Unterlagsrebe zu pfropfen. Boners Completerreben haben deshalb so ihre Launen: anfällig für Verrieselung während der Blüte, unregelmässig im Ertrag und nicht immer perfekt ausreifend. Deshalb gibt es bei ihm nicht jedes Jahr einen Wein. Er peilt bei der Ernte 115 Grad Öchsle an. 14 Volumenprozent Alkohol brauche sein Completer, um die schneidende Säure von 13 bis 19 Promille im Most zu parieren. «Erreichen die Trauben die Vollreife nicht, verschwinden sie im Pinot Gris.»
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