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Die Cocktail-Renaissance hat viele fast vergessene Drinks zurück auf die Barkarten der Welt gezaubert – auch dank der akribischen Arbeit vieler Cocktail-Historiker. Deren Funde wurden und werden meist enthusiastisch gefeiert und auch als 1995 ein gewisser Adam Seger, seinerzeit Restaurant-Manager im »Seelbach Hotel« in Louisville, Kentucky, ein altes Rezept aus ebenjenem Hotel entdeckte, war die Begeisterung groß. Stolz berichtete der Barmann, er habe alte Rezeptunterlagen gefunden und seinen Recherchen zufolge sei der »Seelbach Cocktail« irgendwann zwischen 1912 und 1917 entstanden. Angeblich war der Drink sogar der Favorit von F. Scott Fitzgerald, der im Seelbach logierte, während er an »Der große Gatsby« schrieb. Auch das Rezept liest sich wie eine Hommage an die Eleganz der Belle Époque, gemixt mit Bourbon, Triple Sec, Bitters und – wie es sich für einen Drink mit Anspruch gehört – Champagner. Auch sein insgesamt markantes Aromenprofil mit erstaunlichen 14 Dashes Bitters passte in den damaligen Zeitgeist. Die Story hatte also alles, was ein großes Drehbuch braucht: ein altes Grandhotel, einen fast vergessenen Cocktail, einen bekannten Schriftsteller und eine Prise Gatsby-Glamour. Erwartungsgemäß nahm die Bar-Community den Drink freudig in ihr Repertoire auf.
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