Walter Grüll «erntet» den weissen Kaviar erst nach ­14 bis 16 Jahren.

Die teuersten Lebensmittel der Welt

Rainer Himmelfreundpointner, Peter Moser, Bernhard Degen, 06.12.2017

Kaviar vom weissen Stör, ein bisschen Safran, weisser Trüffel, Matsutake-Pilze... ein Falstaff-Wegweiser durch das exquisite Universum der kostspieligen Delikatessen.

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Ein paar dünne Scheibchen Roter Thun, unter Feinschmeckern auch als Blauflossen-Thunfisch bekannt, gefällig? Macht nur läppische sechzig Franken pro Stück. Vielleicht eine Messerspitze Kaviar vom weissen Stör dazu? Auf ein paar hundert Franken mehr oder weniger kommt’s doch nicht mehr an. Dazu vielleicht ein Gläschen Côte de Nuits von der Domaine de la Romanée-Conti Grand Cru, den Rotweinkenner ganz besonders schätzen? Eine Bouteille gibt es hier im Schnitt schon um rund 16.000 Franken. Ein paar Scheibchen vom weissen Alba-Trüffel sind natürlich ebenfalls ein Muss. Kostet ja kaum mehr als 60 bis 70 Franken für die paar Gramm. Zu guter Letzt noch ein Tässchen Black-Ivory-Kaffee. Der Hunderter dafür ist auch schon egal. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Wer sein leibliches Wohl mit wahrhaft exklusiven Lebensmitteln bestreiten will, braucht wirklich jede Menge Kleingeld. Falstaff hat sich in diesem Universum der Luxus-Zutaten genauer umgesehen und eine ultimative Liste der teuersten Lebensmittel der Welt zusammengestellt. Bei vielen dieser Köstlichkeiten ist ihre Kostspieligkeit weithin bekannt. Dass Safran – aktueller Preis etwa 20 Franken pro Gramm – ein eng bemessenes Haushaltsbudget über den Haufen werfen kann, ist weithin bekannt. Auch dass ein paar Tropfen vom echten, weit über 25 Jahre alten Aceto Balsamico aus Modena schnell ins Geld gehen, weiss jeder erfahrene Gourmet. Aber dass eine simple Tasse Tee, abgepackt in Beutel zu je knapp zwei Gramm, einen um rund 1200 Franken ärmer macht, sofern die Pflanze mit Panda-Mist gedüngt wurde, ist doch etwas überraschend. Auch ein paar Bisse von der angenehm süssen japanischen Yubari-Honigmelone hinterlassen mitunter tiefe Spuren am Konto – ein Liebhaber hat für so eine handballgrosse Frucht schon mal 14.000 Franken hingelegt. Und wer überhaupt bloss schnell und günstig satt werden will, sollte auf keinen Fall zur französischen Bonnotte-Kartoffel greifen, denn ein Kilo von der «kleinen Guten» kommt auf rund 600 Franken. Natürlich sind diese Preise nicht in Stein gemeisselt. Sie sind abhängig vom Ernteertrag und von der saisonalen Qualität der Produkte. Ausserdem werden viele Spitzenpreise – wie etwa für den Blauflossen-Thunfisch in Japan – auf spektakulären Auktionen erzielt, die die Käufer weit über ihre Branche hinweg bekannt machen sowie meist als wohl überlegter Marketing-Gag dienen. Und manchmal greifen die bei Luxus-Lebensmittel ohnehin oft erratischen Gesetze des Marktes nur bedingt, weil das Produkt noch gar nicht im Handel ist – wie etwa beim weltweit einzigen Pule-Käse aus Eselsmilch, für den der Bauer in Serbien einen Ab-Hof-Preis von rund 1200 Franken pro Kilo verlangt. Prinzipiell lässt sich jedoch auch bei Lebensmitteln im obersten Preissegment «eine ähnliche Entwicklung wie auf Luxusmärkten» beobachten, wie die Studie «Luxus im Wandel» der Georg-August-Universität in Göttingen 2015 analysiert. «Der Stellenwert von Qualität, Genuss sowie nachhaltigen und authentischen Produktionsweisen steigt», heisst es dort im Hinblick auf die «neuen Perspektiven für die Vermarktung von Qualität und Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln». «Die Zahlungsbereitschaft von Konsumenten für hochwertige Lebensmittel ist stärker als häufig angenommen.» Allein von 2013 auf 2014, wahrlich keine Zeit der Hochkonjunktur, sei unter den weltweit etwa 300 bis 400 ausgeprägten Luxuskonsumenten die Nachfrage nach exklusiven Getränken und Lebensmitteln um sieben Prozent gestiegen – einer der höchsten Werte in der Industrie, der sich laut dieser Unter-suchung bis heute noch verstärkt hat. Auch in einer aktuellen Social-Trends-Studie des Beraters «Tomorrow Focus» wird bei der Frage «Bei welchem Artikel möchten Sie auf Luxus nicht verzichten?» der Bereich Essen und Nahrungsmittel mit knapp 41 Prozent an erster Stelle gereiht. Kurzum: «Es gibt eigentlich kaum ‹unleistbare› Luxus-Lebensmittel mehr», lautet das Fazit der Göttingen-Studie. «Und sie sind auch immer weniger snobistisch, sondern entwickeln sich mehr und mehr zu einem Kultur-Statement.»

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