Auf Küstenkurs an der Côte d’Azur
Ein Gerücht besagt, dass ein Smart das beste Auto sei, um durch Monaco zu fahren. Wer den Volvo ES90 über die Küstenstraßen der Côte d’Azur und durchs Hinterland des Fürstentums fährt, zweifelt schnell daran.
Es ist dieser Nervenkitzel, der untrennbar zur Côte d’Azur gehört: Straßen, die sich in endlosen Kurven an die Felsen schmiegen, so schmal, dass man kaum glauben mag, dass zwei Autos nebeneinander passen, bis man mit halb zugekniffenen Augen vom Gegenteil überzeugt wird. Der Blick fällt kurz aufs Meer, dann wieder auf den Gegenverkehr – die Hände verkrampfen sich um das Lenkrad, man spürt seinen eigenen Herzschlag und schwitzt Blut und Wasser, bis man realisiert: Mir kann nichts passieren. Schließlich sitzt man in einem Volvo. Genauer gesagt: im neuen ES90, der wie alle Modelle des schwedischen Automobilherstellers so lange gecrasht, deformiert und seziert wurde, bis jeder mögliche Aufprallwinkel durchsimuliert war – und die Sicherheit der Insassen nicht mehr dem Zufall überlassen blieb.
Das Meer glitzert links, die Sonne spiegelt sich in der Motorhaube, und plötzlich wird das, was eben noch Adrenalin war, zu einer unfassbaren Ruhe. Der vollelektrische ES90 gleitet nahezu lautlos über die Küstenstraßen oberhalb von Monaco, souverän, elegant aber mit einer Gelassenheit, die, wenn man realisiert welche Kurven man gerade fährt, fast schon unverschämt wirkt. Wer hier unterwegs ist, versteht, warum Volvo seine neue Limousine als den Inbegriff von »Silent Luxury« beschreibt: Kraft, Kontrolle, Komfort – alles da, nur ohne, dass es protzig oder gar plakativ wirkt wie man von hiesigen Nobelkarossen sonst gewohnt ist.
Über dem Meer
Ein passendes Ziel, oder besser gesagt ein Gegenspieler für diese Form der Zurückhaltung, ist das »Maybourne Riviera«, ein modernes Juwel, das über den Klippen von Roquebrune thront und den Blick freigibt auf eines der spektakulärsten Panoramen Europas. An wolkenlosen Tagen reicht die Sicht bis nach Korsika, an wolkenschweren Tagen verschmelzen Himmel und Meer zu einem einzigen, tiefblauen Band – Monaco, die Côte d’Azur und Italien bleiben dennoch ganzjährig sichtbar. Schon bei der Buchung stellt sich die Frage: Will man vom mindestens 40 Quadratmeter großen Zimmer lieber auf das Fürstentum und dessen Sonnenuntergänge blicken oder auf die italienische Küste? Nur wer die Riviera Suite wählt, muss sich nicht entscheiden – sie bietet automatisch den Rundumblick, im besten Fall bis nach Korsika.
Das 2023 eröffnete Hotel beeindruckt vor allem durch seine Architektur, die die Atmosphäre der ganzen Côte d’Azur einzufangen scheint: viel Glas, klare Linien, helles, ausgewogenes Licht. Die Stimmung ist leise, luxuriös, zurückhaltend – aber dennoch warm und einladend. Im obersten Stockwerk wartet ein kulinarischer Höhepunkt: Jean-Georges Vongerichten leitet hier das »abc kitchens riviera«. In der Sternewelt ist er kein Unbekannter: Sein Flaggschiff-Restaurant »Jean-Georges« in New York trägt zwei Michelin-Sterne. Nach einem erfolgreichen Londoner Auftakt debütierte sein Riviera-Konzept im Sommer 2025 an der französischen Mittelmeerküste. Die Küche spielt mit mediterranen, lateinamerikanischen und vegetarischen Akzenten und setzt auf lokale, marktfrische Zutaten – ein kulinarisches Panorama, das mit dem Blick ums Hotel wetteifert.
Moderne Riviera-Interpretation
Am Morgen locken Sportkurse wie Sunrise-Yoga oder gar Tennis, bevor der Tag mit einem Kaffee oder einem Iced Matcha Latte auf der Terrasse beginnt, die wie ein Sprungbrett über dem Meer hängt. Obwohl das Hotel nicht an den Nahverkehr angebunden ist, bringt der hauseigene, kostenlose Shuttle Gäste unkompliziert nach Monaco zum Shopping oder Sightseeing. Es empfiehlt sich jedoch selbst zu fahren und die Gegend zu erkunden: Monte-Carlo liegt nur rund 15 Minuten entfernt, Menton etwa 25, Cannes, Saint-Tropez oder die italienische Riviera sind ebenfalls bequem erreichbar.
Wer die Region und ihre Nebenschauplätze erleben will, sollte unterwegs unbedingt anhalten – zum Beispiel in Èze Village, dem mittelalterlichen Adlernest hoch über dem Meer. Die Auffahrt ist ein Schauspiel aus Serpentinen, Felswänden und atemberaubenden Ausblicken auf die tiefe Bucht. 25 Hochleistungslautsprecher von Bowers & Wilkins sorgen im Volvo ES 90 für die passende Vertonung: Durch sie klingt der Soundtrack des Sommers 2025 »Soleil Bleu« von Bleu Soleil & Luiza gleich noch träumerischer. Èze Village selbst wirkt wie ein Labyrinth aus einer anderen Zeit – kleine Ateliers, enge Gassen, winzige Cafés. Und am Abend wartet das »Château d’Eza«, dessen Terrasse wie ein Balkon über dem Mittelmeer hängt. Während die Sonne über der Halbinsel Cap Ferrat versinkt und die Küste in ihr goldenes Licht taucht, serviert die Küche eine moderne Riviera-Interpretation, subtil, präzise, aromatisch. Ein Ort für Abende, die sich ins Gedächtnis schreiben.
Kein Hotel, kein Museum
Ein weiterer lohnender Abstecher führt ins Hinterland der Côte d’Azur, nach Saint-Paul-de-Vence, wo sich eines der außergewöhnlichsten Kunst- und Architekturprojekte der Region befindet: Die Fondation CAB, bekannt für ihre stringenten, minimalistisch kuratierten Ausstellungen, hat mit den Maisons CAB gleichzeitig ein Wohnkonzept geschaffen, das Kunst bewohnbar macht. Das Haus an der Côte d’Azur ist eine originalgetreue Rekonstruktion eines modularen Baus des französischen Konstrukteurs und Designpioniers Jean Prouvé, dessen klare, ingenieursgetriebene Formensprache die Architektur des 20. Jahrhunderts geprägt hat. 64 Quadratmeter Licht, Stahl, Holz und Glas: vollkommen frei von dekorativem Überfluss. Wüsste man nicht, dass der ES90 vom minimalistischen Stil der Skandinavier inspiriert ist, würde man seinen Ursprung auch hier finden können.
Die Maison Prouvé selbst steht oberhalb des Kunstzentrums in einem terrassierten Garten, umgeben von Pinien und wechselnden skulpturalen Installationen. Wer hier übernachtet oder eine Führung bucht, spürt sofort, wie radikal anders dieser Ort ist: kein Hotel, kein Museum, sondern ein Hybrid aus Atelier, Rückzugsort und Designmanifest. Morgens fällt das Licht über die ikonischen Prouvé-Möbel, abends duftet der Garten nach warmem Harz und Kräutern.
PRIVILEG FÜR E-AUTOS
Zurück an der Küste, vorbei an Nizza und hinein nach Monaco, wird die Fahrt fast ironisch: Hier, wo Sportwagen und Luxuskarossen um Aufmerksamkeit wetteifern, parkt der ES90 am Straßenrand, lädt kostenlos Strom – ein Privileg, das Monaco Elektroautos gewährt – und zieht dennoch Blicke auf sich. Weil er eben jene Ruhe und Stil ausstrahlt, die man auch beim Fahren spürt.
Die Straßen werden wieder enger und oberhalb des Boulevard Albert Ier windet sich die Route so scharf, dass man unweigerlich langsamer wird. Fußgänger schlendern vorbei, scheinbar beiläufig, doch immer wieder bleibt ein staunender Blick zurück, Rollerfahrer drängen sich durch die verstopften Straßen. Lässt man die Fenster herunter, könnte man glauben, selbst im Café am Straßenrand zu sitzen. Und dann erinnert sich jeder, der schon einmal im Fürstentum gefahren ist, an diesen einen Satz, der besagt, dass das beste Auto, das man in Monaco fahren kann, ein Smart sei. Wer einmal im ES90 durch die engen Straßen oberhalb des Hafens gefahren ist, wird das für ein Gerücht halten.