Belvedere Wien: Erste institutionelle Einzelausstellung von Amoako Boafo in Europa
Mit Proper Love setzt das Belvedere ein Statement für schwarze Selbstermächtigung. Die Werke bieten einen tiefen Einblick in Boafos persönliches Umfeld sowie seine Auseinandersetzung mit Themen wie Identität und Zugehörigkeit und sind jetzt (25. Oktober 2024 - 12. Jänner 2025) in Wien zu sehen – der Stadt, die seine Kunst maßgeblich geprägt hat.
Eine Karriere wie aus einem Film: Der ghanaische Künstler Amoako Boafo, Sohn eines Fischers und einst Student, der sich, wie das Wall Street Journal schreibt, unter anderem als Sargträger finanzierte, hat sich binnen weniger Jahre zu einem der gefragtesten Künstler seiner Generation entwickelt. Überlebensgroße Darstellungen von Schwarzer Identität, kraftvolle Porträts und ein unverwechselbarer Stil machen Boafo zu einer Schlüsselfigur der zeitgenössischen Kunst. Seine Werke setzen ein starkes Zeichen für Diversity und Selbstbestimmung in der Kunstwelt – und jetzt widmet ihm das Belvedere in Wien von 25. Oktober 2024 bis 12. Jänner 2025 die erste institutionelle Einzelausstellung in Europa.
Boafo, unter anderem gefördert vom renommierten Obama-Porträtisten Kehinde Wiley, ist heute eine zentrale Stimme einer neuen Generation Schwarzer Künstler. Vor fünf Jahren fast nur Insider:innen bekannt, eroberte er in Kürze mit seiner unverwechselbaren Handschrift, der Fingermalerei, die internationale Kunstszene im Sturm. Heute reißen sich Kunstmessen, wichtige Sammler und Museen auf der ganzen Welt um seine Werke. »Nach einem rasanten Aufstieg auf dem internationalen Kunstmarkt und überwältigend schnellem Ruhm steht Amoako Boafo ein seriöser Blick auf sein Werk zu: und siehe da, es überzeugt. Im Belvedere lässt sich Boafos unverwechselbarer Stil neben den Ikonen der Wiener Moderne betrachten, auf deren Einfluss der Künstler sich beruft und die er ins Zeitgenössische übersetzt«, so Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig.
Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Seine Porträts von Freund:innen, Bekannten und bedeutenden Persönlichkeiten vermitteln eindringlich das heutige Bild von Schwarzer Selbstermächtigung und -wahrnehmung. Die Porträtierten »suchen« oft selbstbewusst den direkten Blickkontakt mit den Betrachter:innen und sollen auf diese Art schwarze Subjektivität als eine kraftvolle Antwort auf koloniale und rassistische Diskurse darstellen.
Sein Malstil zeichnet sich durch den starken Gegensatz zwischen flachen, dekorativen Elementen und der plastischen Darstellung der porträtierten Personen aus, die er nicht mit einem Pinsel, sondern mit den Fingern malt. Boafo inszeniert ihre Kleidung mit collageartigen Papiertexturen, die florale und geometrische Muster aufgreifen und zugleich auf historische und politische Kleidungscodes der Schwarzen Kultur verweisen. Auch eine intensive Auseinandersetzung mit Schwarzer Geschichte lässt er subtil in seine Gemälde einfließen, indem er literarische Werke bedeutender Denker der schwarzen Freiheitsbewegung als Motive verwendet.
Input durch Schiele
Wien, eine Stadt, die Boafo aufgrund der Liebe einst wählte, prägte sein künstlerisches Schaffen enorm. Besonders beeinflusst haben ihn die Werke von Egon Schiele, dessen expressive Darstellung menschlicher Körper ihm den »richtigen Input« für seine eigenen Porträts gegeben haben soll.
Seine Auseinandersetzung mit der Schwarzen Geschichte und Kultur wird im Belvedere in einen kunsthistorischen Kontext gestellt: Im Oberen Belvedere werden ausgewählte Arbeiten Boafos in die Schausammlung zu »Wien um 1900« integriert und mit Werken von Größen wie Egon Schiele und Gustav Klimt in Dialog gesetzt.
Zur Ausstellung »Amoako Baofo. Proper Love im Unteren Belvedere«, Wien 3, Rennweg 6