Die faszinierende Welt von Van Cleef & Arpels: Geheimnisse, Techniken und ikonische Schmuckstücke
Van Cleef & Arpels zählt seit weit mehr als einem Jahrhundert zu den besten Adressen für Haute Joaillerie und Haute Horlogerie. Die Maison fasziniert dabei mit Geheimnissen – sei es mit ihren Ateliers, durch ikonische Techniken oder versteckte Schätze.
Van Cleef & Arpels’ funkelnde Geschichte nahm ihren Anfang bereits vor über hundert Jahren. 1895, im Paris der Belle Époque, gaben sich Estelle Arpels und Alfred van Cleef das Ja-Wort. Ihre Ehe legte den Grundstein für die Maison. 1906 eröffnete Van Cleef & Arpels erste Boutique am 22 Place Vendôme. Bis heute stellt die Adresse unverändert das Herz des Luxusunternehmens dar: Hier entwickelte die Pariser Maison über die nächsten 118 Jahre Techniken wie das »Mystery Set» sowie unzählige raffinierte Kreationen, die seit jeher von königlichen und fürstlichen Familien, Hollywood-Stars oder der High Society getragen werden – angefangen bei der ersten Preziosenkollektion »Perlée« bis hin zur neuen Haute-Joaillerie-Serie »Treasure Island«.
Von großen Geheimnissen
Die kostbaren Schmuckstücke und Uhren entstehen auch heute noch in den Pariser Ateliers. Aus Sicherheitsgründen sind nicht nur die genauen Standorte und Schaffensprozesse in den Manufakturen ein gut gehütetes Geheimnis, auch die Identitäten der Angestellten bleiben weitgehend anonym, um mögliche Sicherheitsrisiken zu minimieren.
Revolutionäre Technologie
Um das Mystery Set selbst macht die Maison allerdings seit der Patentierung 1933 kein Geheimnis mehr. »Es war Alfred Langlois, ein Juwelier, der diese Technik zusammen mit Van Cleef entwickelt hat«, erzählt einer der Mitarbeiter, ein Edelsteinschleifer, der bereits seit 1973 für die Maison arbeitet. »Es war eine wirklich revolutionäre Technologie, und man hat seitdem nichts Besseres gefunden.« Im Mystery Set werden einzelne, speziell geschliffene Steine in feine Goldschienen gesetzt, wodurch Krappen oder Metallstrukturen nicht mehr sichtbar sind – das Ergebnis ist eine nahtlose, fließende Optik, die ein einzigartiges Spiel aus Farbe und Volumen erlaubt.
Was in der Theorie einfach klingt, erfordert vor allem beim Schleifen ein Höchstmaß an Genauigkeit. »Die Herausforderung besteht darin, die kleinen Steine so präzise anzupassen, dass sie exakt an ihren Platz passen und gleichzeitig herausgenommen werden können«, führt der Edelsteinschleifer in »Les Mains d’Or« weiter aus. Jeder Stein wird zunächst einzeln eingespannt und mit einer Rille versehen. Diese erlaubt es, den Stein in der Fassung neben anderen Steinen zu platzieren. Das einzigartige »Tor-System«, bei welchem die Steine anschließend angepasst und ausgerichtet werden, dient als fixierender Schlussstein. Gearbeitet wird vorrangig mit dem Rubin, den die Manufaktur gemeinsam mit Smaragden und Saphiren setzt. Jeder Edelstein wird zuvor einzeln ausgewählt und ausschließlich bei Tageslicht evaluiert. So gibt es Tage, an denen wegen schlechter Lichtverhältnisse keine Steine gekauft werden, verrät einer der Facheinkäufer der Maison in »Les Mains d’Or«.
Von geheimen Schätzen
Auch heute noch, 91 Jahre später, kommt das Mystery Set zum Einsatz – etwa in »Die Schatzinsel«. Für die neue Haute-Joaillerie-Kollektion bezieht Van Cleef & Arpels, seit 1999 Teil des Schweizer Luxusgüterunternehmens Richemont, seine Inspiration aus dem kanonischem Werk »Die Schatzinsel« von Robert Louis Stevenson. Die 1883 veröffentlichte Abenteuergeschichte erzählt die hindernisreiche Reise des jungen Jim Hawkins auf die Schatzinsel des Piraten Captain Flint. »Wir haben versucht, das Buch auf spielerische und unterhaltsame Weise zum Leben zu erwecken«, beschreibt Nicolas Bos, CEO von Richemont, die Intention. Die drei Kapitel der Kollektion wurden in ihren Formen, Farben und Edelsteinen den Motiven und Landschaften der literarischen Vorlage nachempfunden. Das Signature Piece – der Palmier Mystérieux Clip – setzt hierbei auf Traditional Mystery Set. Die Designer:innen haben für das Palmenmotiv Smaragde, die die Baumkrone darstellen, sowie Roségold für den Stamm gewählt. Letzterer wurde in präziser Feinarbeit bürstenpoliert, gehämmert, godronniert – eine Art der Verzierung mittels feiner, geschweifter Linien – sowie zu Perlen verarbeitet.
Auch in anderen Stücken der Kollektion verwendet Van Cleef & Arpels das Traditional Mystery Set, etwa im Clip »Coquillage Mystérieux« mit Rubinen im Bufftop-Schliff oder im Clip »Poissons Mystérieux«, das im Vitrail Mystery Set, einer farbintensiven Variante der Technik in Kombination mit Buntglas, gesetzt wird. Was vor fast hundert Jahren entwickelt wurde, hat bei Van Cleef & Arpels bis heute Tradition. Das Geheimnisvolle spielt dabei nach wie vor eine Rolle – ob nun in den verborgenen Ateliers, in denen auch heute noch präzise Handarbeit geleistet wird, oder im übertragenen Sinn, der die neueste Kollektion bestimmt.