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© Bueronardin/ MAK

»GLANZSTÜCKE« im MAK: Ein Gespräch mit Alexandrine Maviel-Sonet von Van Cleef & Arpels

Angewandte Kunst
Schmuck
Inspiration
Luxus

Von 10. Juni bis 27. September 2026 zeigt das MAK mit »GLANZSTÜCKE« Haute Joaillerie von Van Cleef & Arpels im Dialog mit der eigenen Sammlung. Im Interview spricht Alexandrine Maviel-Sonet, Patrimony & Exhibitions Director bei Van Cleef & Arpels, über die Ausstellung, Schmuck als Kunstform und angewandte Kunst.

Martha Alber, Wiener-Werkstätte-Stoffmuster Blätter (Andruck), um 1911
Papier, bedruckt

© MAK

Armband Leaf, 1950
Gelbgold, Platin, Saphire, Diamanten

© Sammlung Van Cleef & Arpels

Schmuck ist nie nur Schmuck. Er erzählt von Handwerk, Stil, Zeitgeist, Erinnerung und jenem kulturellen Rahmen, in dem er entstanden ist. Von 10. Juni bis 27. September 2026 zeigt das MAK mit »GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection« eine Ausstellung, in der rund 500 Exponate aufeinandertreffen. Mehr als 300 Objekte stammen aus der Patrimonial Collection von Van Cleef & Arpels, über 200 aus der MAK Sammlung. Daraus entsteht ein Dialog zwischen Paris und Wien, zwischen Haute Joaillerie und angewandter Kunst, zwischen Schmuck, Design, Textil, Bühne und Architektur.

Gastkuratorin ist Alexandrine Maviel-Sonet, Patrimony & Exhibitions Director bei Van Cleef & Arpels. Mit ihr haben wir über die kuratorische Idee hinter »GLANZSTÜCKE«, die Verbindung von Schmuck und Designgeschichte sowie über ein besonders prägendes Objektpaar gesprochen.

Alexandrine Maviel-Sonet, Patrimony & Exhibitions Director bei Van Cleef & Arpels

Gastkuratorin Alexandrine Maviel-Sonet, Patrimony & Exhibitions Director bei Van Cleef & Arpels

© VAN CLEEF & ARPELS 2026

LIVING: Liebe Frau Maviel-Sonet, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch nehmen. »GLANZSTÜCKE« bringt rund 500 Objekte aus zwei sehr unterschiedlichen Sammlungen in sechs Themenkapiteln zusammen. Gab es im Kuratieren einen Moment, in dem Sie gespürt haben, dass aus einem reizvollen Nebeneinander tatsächlich ein echter Dialog wird?

MAVIEL-SONET: Van Cleef & Arpels ließ sich 1906 am Pariser Place Vendôme nieder, also kurz nachdem 1903 in Wien die Wiener Werkstätte gegründet wurde. Da das MAK eine bemerkenswerte Sammlung mit Arbeiten von Josef Hoffmann und Koloman Moser besitzt, haben wir sofort eine echte Verbindung wahrgenommen. Im weiteren Verlauf der Kuratierung haben wir die größere Spannweite der MAK Sammlung erkundet, von antiker Kunst bis zu zeitgenössischen Stücken, und weitere Resonanzen zwischen unseren beiden Sammlungen entdeckt. Sie betreffen Inspirationsquellen ebenso wie Techniken und Savoir-faire. Diese Reise erinnert uns daran, dass Schmuck vollständig Teil der dekorativen Künste ist.

LIVING: Als Patrimony & Exhibitions Director arbeiten Sie täglich mit Kreationen, die mit Kostbarkeit, Glanz und Einzigartigkeit verbunden sind. Was kann Schmuck in einem Museumskontext über eine Epoche erzählen, was ein Gemälde oder ein Möbelstück vielleicht nicht in derselben Intensität leisten kann?

MAVIEL-SONET: Als Teil der dekorativen Künste spiegelt Schmuck künstlerische Epochen und Bewegungen mit derselben Intensität wie Möbel oder Malerei. Kostbarkeit, Strahlkraft und Einzigartigkeit werden in allen Kapiteln der Ausstellung »GLANZSTÜCKE« erfahrbar.

»Diese Reise erinnert uns daran, dass Schmuck vollständig Teil der dekorativen Künste ist.«

Alexandrine Maviel-Sonet

Patrimony & Exhibitions Director bei Van Cleef & Arpels

Alexandrine Maviel-Sonet

Patrimony & Exhibitions Director bei Van Cleef & Arpels

LIVING: Die Ausstellung spannt den Bogen von »Wanderlust« über »Architecture« und »Rhythmic Design« bis zu »Metamorphoses« und »Nature & Cosmos«. Gab es ein Kapitel, das sich im Laufe des Kuratierens stärker verändert oder vertieft hat, als Sie anfangs erwartet hatten?

MAVIEL-SONET: Gemeinsam mit dem MAK Team haben wir jedes Kapitel mit gleicher Tiefe und großer Aufmerksamkeit entwickelt. Jedes Thema umfasst etwa 80 Kreationen und hebt unterschiedliche Dimensionen hervor, von Schmuckstücken, die im Kapitel »Wanderlust« von fernen Ländern inspiriert sind, bis zu Objekten, die im Kapitel »Nature & Cosmos« mit Himmel oder Tierkreis verbunden sind. Die Entwicklung des Bereichs »Rhythmic Design«, in dem die bemerkenswerte Textil- und Tapetensammlung des MAK gezeigt wird, hat sichtbar gemacht, dass manche Kreationen der Maison in ihren wiederkehrenden Mustern ebenfalls eine gewisse Musikalität besitzen. Der Besuch endet mit dem Blick nach oben, getragen von Staunen und Vorstellungskraft.

LIVING: Viele Schmuckstücke von Van Cleef & Arpels arbeiten mit Proportion, Oberfläche, Licht und Bewegung. Kommen Ihnen Exponate in den Sinn, die nicht nur den Blick auf das einzelne Stück schärfen, sondern tatsächlich die Atmosphäre des gesamten Rundgangs verändern?

MAVIEL-SONET: Um das Konzept der Metamorphose zu erkunden, haben wir aus der Van Cleef & Arpels Collection von Couture inspirierte Kreationen ausgewählt, die sich durch Trompe-l’œil-Handwerkskunst auszeichnen, sowie Stücke mit überraschender Wandelbarkeit. Diese Eigenschaften haben den Szenografen direkt beeinflusst. Daraus entstand eine eigene Atmosphäre, in der die Objekte mit dem Ausstellungsraum interagieren können.

LIVING: Die Szenografie von Tsuyoshi Tane führt als Labyrinth durch die Ausstellung. Was hat diese räumliche Form für Sie im Kuratieren ermöglicht, was in einer klassischeren Abfolge von Vitrinen und Sälen womöglich verloren gegangen wäre?

MAVIEL-SONET: Die labyrinthische Szenografie schafft eine besondere Nähe zu den Kreationen und eröffnet den Besucherinnen und Besuchern eine poetische Reise. Sie können die Stücke entdecken und beim Gehen durch die Ausstellung immer wieder Überraschungen erleben.

LIVING: Van Cleef & Arpels Schmuckstücke sind immer auch mit der Idee der Weitergabe verbunden. Was würden Sie sich wünschen, dass Besucherinnen und Besucher nach dem Rundgang durch »GLANZSTÜCKE« idealerweise mitnehmen?

MAVIEL-SONET: Der Gedanke der Weitergabe ist für Van Cleef & Arpels tatsächlich zentral. Er wird vom umfassenden Wissen und vom Erbe getragen, das die Maison teilen möchte. Initiativen wie L’ÉCOLE, School of Jewelry Arts, und Dance Reflections sind wichtige Beispiele für dieses Engagement. Die Ausstellung soll zu einem tieferen Verständnis dafür führen, dass Schmuck Teil der dekorativen Künste ist. Sie zeigt Verbindungen zwischen Schmuck und verschiedenen künstlerischen Bewegungen und macht zugleich das komplexe Savoir-faire sowie die außergewöhnliche Steinkompetenz der Maison seit 1906 sichtbar.

Collier Zip, 1955
Gelbgold, Platin, Smaragde, Diamanten

Collier Zip, 1955
Gelbgold, Platin, Smaragde, Diamanten

© Sammlung Van Cleef & Arpels
Koloman Moser, Paravent, 1906
Ausführung: Wiener Werkstätte/Karl Beitel/Therese Trethan
Holz, Gold- und Tunkpapier, Borte

Koloman Moser, Paravent, 1906
Ausführung: Wiener Werkstätte/Karl Beitel/Therese Trethan
Holz, Gold- und Tunkpapier, Borte

© MAK/Georg Mayer

LIVING: Und ganz persönlich gefragt. Wenn Sie aus der gesamten Ausstellung ein einziges Objektpaar wählen müssten, das für Sie den Gedanken von »GLANZSTÜCKE« am schönsten widerspiegelt, welches wäre es und warum?

MAVIEL-SONET: Eine Auswahl zu treffen, ist bei einer Sammlung mit mehr als 3000 Stücken immer schwierig. Wenn ich aber ein Objektpaar hervorheben müsste, wäre es der fesselnde Dialog zwischen den Zip-Colliers und Koloman Mosers Paravent. Die Wärme des Goldes, die geniale Wandelbarkeit und die große Kreativität dieser Werke sind faszinierende Elemente. Der Dialog zwischen diesen Kreationen wird einen bleibenden emotionalen Eindruck hinterlassen. Eine Erinnerung daran hält auch das Ausstellungsposter auf schöne Weise fest.

LIVING: Vielen Dank für das nette Gespräch und für die Einblicke.

Die Ausstellung »GLANZSTÜCKE«

Im Gespräch wird deutlich, wie vielschichtig die Ausstellung angelegt ist. »GLANZSTÜCKE« versteht Schmuck nicht als isolierte Kostbarkeit, sondern als Teil einer größeren Designgeschichte. Van Cleef & Arpels trifft im MAK auf Möbel, Textilien, Bühnenmotive, architektonische Formen und wissenschaftliche Objekte.

Sechs Kapitel zwischen Reise, Bühne und Kosmos

Die Ausstellung ist in sechs Themenbereiche gegliedert: »Wanderlust«, »Architecture«, »Rhythmic Design«, »On Stage«, »Metamorphoses« und »Nature & Cosmos«. Sie zeigen, wie Schmuck mit Reisen, Architektur, Bühne, Natur und kulturellen Vorstellungen verbunden ist. Zum Auftakt trifft ein Modell der Yacht »Varuna«, das Van Cleef & Arpels 1906 aus Gold, Silber, Jaspis, Holz und Email fertigte, auf den sogenannten Portugiesen-Teppich aus dem frühen 17. Jahrhundert. Das Kapitel »Architecture« stellt die 1933 patentierte Minaudière in den Mittelpunkt und zeigt, wie nah Schmuck und Design in Fragen von Form, Funktion und Verwandlung liegen können. In »Rhythmic Design« verbinden sich geometrische Muster, Textilien und Schmuckkreationen zu einem Spiel aus Wiederholung, Proportion und Bewegung.

Bühne, Bewegung und Verwandlung

»On Stage« bringt Wien als Stadt von Oper, Tanz, Musik und Ballkultur ins Spiel. Ein Abendkleid aus der MAK Sammlung trifft hier auf Feen- und Tänzerinnenmotive von Van Cleef & Arpels, die Poesie, Bewegung und Hoffnung verbinden.

Im Kapitel »Metamorphoses« steht die Kunst der Verwandlung im Mittelpunkt. Das berühmte »Zip«-Collier«, das sich in ein Armband verwandeln lässt, tritt in Dialog mit einem Paravent von Koloman Moser aus dem Jahr 1906. Die labyrinthische Szenografie von Atelier Tsuyoshi Tane Architects verstärkt diesen Gedanken und macht den Rundgang zu einer Abfolge überraschender Begegnungen.

Natur, Kosmos und die Kunst der Weitergabe

Der letzte Teil der Ausstellung richtet den Blick auf Flora, Fauna, Himmel und Tierkreis. Der »Chrysanthemum Clip« von 1937 zeigt die von Van Cleef & Arpels patentierte Mystery-Set-Technik, daneben verweist eine Armillarsphäre aus der MAK Sammlung von 1553 auf die Verbindung von Ästhetik, Wissenschaft und Weltordnung. Schmuck wird als Träger von Wissen, Handwerk, Erinnerung und kultureller Geschichte sichtbar.

Schmuck als kulturelles Gedächnis

Alexandrine Maviel- Sonet, Patrimony & Exhibitions Director bei Van Cleef & Arpels und  Lilli Hollein, Generaldirektorin MAK Wien

Alexandrine Maviel- Sonet, Patrimony & Exhibitions Director bei Van Cleef & Arpels und Lilli Hollein, Generaldirektorin MAK Wien

© MAK

Am Ende zeigt »GLANZSTÜCKE«, dass Schmuck weit mehr sein kann als ein kostbares Objekt. Die Ausstellung öffnet den Blick auf Schmuck als kulturelles Gedächtnis und erzählt von Handwerk, Weitergabe, Formgefühl und der Frage, wie viel Zeitgeschichte in einem kleinen Objekt bewahrt werden kann. Begleitend erscheint eine Publikation, herausgegeben von Lilli Hollein, mit Beiträgen des MAK und von Van Cleef & Arpels.

Info

»GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection«

10. Juni bis 27. September 2026

MAK Ausstellungshalle EG, Stubenring 5, 1010 Wien

Öffnungszeiten
Di 10 bis 21 Uhr, Mi bis So 10 bis 18 Uhr

Eröffnung
9. Juni 2026, 19 Uhr, Eintritt frei zur Ausstellungseröffnung

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